Das Zentrum von Wasigny - Französische Ardennen - Pauline von Unloved Countries

Ich entdecke die französischen Ardennen zwischen Vergangenheit und Zukunft

Ein Stück Geschichte in einem Dorf

Ich entdecke die französischen Ardennen zwischen Vergangenheit und Zukunft

                     

Erlebnisaufenthalt von zwei tagen

 

Drei unterschiedliche Erlebnisse, bei denen sich Reiki, das Entdecken verlassener Ortschaften und die genussvolle Küche der Ardennen vermischen. Hier erleben wir ein ganz besonderes Stück der französischen Ardennen: Den Versuch, einer bewegten Geschichte Herr zu werden und den verschiedenen Initiativen für einen Weg in die Zukunft zu begegnen. 

Saal des 15. Jahrhunderts in Wasigny - Französische Ardennen - Pauline von Unloved Countries

Wasigny, zwischen Glanz von damals und Vergessenheit von heute

Wasigny, das ist der Teil der Ardennen, den wir nicht länger zeigen möchten” sagt mir Sylvie nicht ohne einen gewissen Anflug von Ironie, als wir uns auf dem Dorfplatz vor der Kirche treffen. Und das aus gutem Grund, denn das Dorf ist nahezu vollständig verlassen. Die Schilder "Zu verkaufen" häufen sich. Verfallene Häuser, wohin man blickt. Es ist wie der Besuch eines dieser Stadtviertel, welches so verlassen scheint, dass es auf bestimmte Besucher schon wieder attraktiv wirkt.

Altmodischer Charme voller Geschichte

Einst jedoch steppte hier der Bär. Bereits im 15. Jahrhundert war Wasigny ein wichtiges Handelszentrum, wie die schöne Markthalle in der Mitte des Dorfes zeigt. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Sylvie erklärt mir, dass Wasigny während der Industriezeit bis zu drei Spinnereien und etwa vierzig Mühlen entlang der Vaulx, dem Fluss unten hatte. In den 1850er Jahren hatte das Dorf über 1000 Einwohner und alles, was ein lebendiges Dorf ausmacht: Mehrere Cafés, einen Bahnhof, ein Postamt, eine Apotheke... Dann jedoch kam die Eisenbahn, und die Fahrten nach Charleville, Rethel und Reims wurden für den Handel attraktiver. Diese Entwicklung machte dem Aufschwung des Dorfes ein jähes Ende. Wasigny verwandelte sich nach und nach in ein Geisterdorf. Nur der Eisenwarenladen von Marcelle hält bis 1970 durch. 

Das Schloss aus dem sechzehnten Jahrhundert, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht, ist von der Geschichte ebensowenig verschont geblieben. Im Jahr 2000 wurden die mit der Renovierung beauftragten Arbeiter vom Eigentümer nicht bezahlt und setzten daraufhin das Gebäude in Brand, wobei ein großer Teil des ehemaligen Schlosses schwer beschädigt wurde. Auch heute scheint der derzeitige Eigentümer nicht sehr präsent zu sein. Ein Baum wächst durch das Gebäude, was soll ich sagen.

Im Sommer sieht man hier immer mehr Wanderer

Dennoch oder genau deswegen fasziniert mich dieser altmodische, geschichtsträchtige Charme. Wir wandern durch die Gassen von Wasigny und erkennen das Potenzial dieses verlassenen Ortes. Er wartet buchstäblich nur darauf, aus seiner Asche wieder geboren zu werden. Wir sehen mehrere Häuser mit Holzverkleidungen. An der Rückseite der Häuser kleine Gemüsegärten. Durch die Gassen und entlang des Flusses schlängeln sich Wanderwege, die einst als Abkürzung für die Spinnereiarbeiter dienten. Auf dem Kirchenplatz nehmen wir eine Bäckerei aus. Der Bäcker ist überrascht, Touristen zu sehen und fragt mich, wo wir herkommen. Sylvie verrät mir, dass im Sommer immer mehr Wanderer durch das Dorf kommen. Sie schlendern entlang der "Granges du Porcien". Schon belädt der Bäcker das Auto mit Baguettes für eine Brotlieferung in der Gegend. Der alte Bahnhof wurde vor kurzem für die Renovierung von Privatwohnungen gekauft, ein kleines Haus wird von Niederländern bewohnt, und einige der Häuser scheinen noch immer bewohnt zu sein. In Wasigny ist es tatsächlich möglich, für 30.000 Euro ein Haus zu kaufen! Wahrscheinlich gibt es noch einiges zu tun, aber wer weiß, vielleicht sind einige Leute daran interessiert?

Eingang in das Schloss von Wasigny - Französische Ardennen - Pauline von Unloved Countries

Wisst Ihr, was Reiki ist?

Meine Reise in die französischen Ardennen ist von einer weiteren, ungewöhnlichen Erfahrung mit Marie Claise gekrönt. Sie ist Reiki-Therapeutin und möchte mich mit einer energetische Gesichtsbehandlung verwöhnen.

Reiki - Pauline von Unloved Countries

Eine ganzheitliche Entspannungsmethode

Ich habe keine Ahnung, was genau auf mich zukommt. Während ich mich auf ein beheiztes Bett lege, klärt mich Marie über die Vorteile von Reiki auf. Diese Technik der Entspannung durch Berührung wird eingesetzt, um Blockaden zu lösen, Stress abzubauen und die Energien von Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Hört sich schon mal gut an! 

Marie beginnt die Behandlung mit Druckpunkten im Gesicht, am Hals und an den Armen. Ich fange an, mich völlig entspannt zu fühlen. Die Sitzung dauert etwa 60 Minuten. Am Ende fühle ich mich dermaßen entspannt, als hätte ich ein richtig langes Nickerchen gemacht. Tatsächlich erscheint ein seliges Lächeln auf meinem Gesicht, das Tim und Marie zum Lachen bringt. Es sieht wohl so aus, als wäre ich für kurze Zeit gänzlich weggetaucht!

"L'Auberge de Signy-L’Abbaye": Eine Wiederentdeckung der für die Ardennen typischen Gerichte

Zum gemütlichen Ausklang unserer Entdeckungsreise durch Wasigny beschließen wir, dem Gasthaus Signy-L'Abbaye einen Besuch abzustatten, welches sich mitten im Dorf befindet.
Seitdem wir die Ardennen bereisen wissen wir, dass die hiesige Küche hauptsächlich aus viel Fleisch, Kartoffeln und manchmal aus Gerichten mit seltsamen Namen wie Cacasse à cul nu besteht! Auch hier erwarten wir schon diese Art "logische Fortsetzung" dessen, was wir bisher verkosten durften. Welch angenehme Überraschung, als uns Sophie Dessimoz, die Besitzerin des Gasthauses, dann doch anderweitige Gerichte serviert. Die Küche des Gasthauses ist nicht nur ausgezeichnet, sondern verbindet Tradition und Moderne in Perfektion. Als Vorspeise wähle ich Kroketten "Cromesquis-Ardennais" mit Mangold und Schafsjoghurt, als Hauptgericht ein Rinderfondue mit Kürbispüree, Tzatziki-Creme, und mariniertem Gemüse, alles serviert in kleinen Schüsseln wie libanesische Mezzés... einfach herrlich. Alle Gerichte werden mit frischen und lokalen Produkten zubereitet. Dazu betreibt Sophie's Mann einen an das Gasthaus angrenzenden Bauernhof, auf dem er Rinder und Schafe züchtet. 
Im Laufe des Gesprächs erfahren wir, dass Sophie und ihr Mann versuchen, neue Betreiber für ihr Gasthaus zu finden. Sie sind sehr sorgfältig in ihrer Auswahl und möchten, dass die Philosophie lokal - regional erhalten bleibt. Sophie möchte vor allem die Kontinuität wahren, und das aus gutem Grund: Ihre Familie betreibt den Gasthof seit 1803! Ein Familienunternehmen, das sie im März 2020 verkaufen wird.

Abendessen im Gasthaus Signy-l'Abbaye - Pauline von Unloved Countries

Ich möchte auch so etwas erleben!

 

Das ungewöhnliche Dorf Wasigny besichtigen: 
Sylvie Laverdine
laverdine08@orange.fr

Reiki-Praxis: 
Marie Claise
8 rue Basse 08220 La Romagne
Tel.: +33 6 99 51 24 48
lasata.lieudepaix@gmail.com

Gasthaus Signy-l’Abbaye: 
2 place Aristide Briant  08460 Signy-l’Abbaye
Tel.: +33 3 24 52 81 27
aubergedelabbaye-signy.fr