48 Stunden in den Tiefen des Waldes

48 Stunden in den Tiefen des Waldes

Sterne, der Wind in den Blättern und sich selbst überwinden. All das erfüllt mich mit Freude und ich weiß, so fühlt sich ein Kind an Weihnachten!

48 Stunden in den Tiefen des Waldes

Auf den Spuren des Sentiers du Phoenix

5 min. Freiheit

Eine 48 stundenlange Wanderung in Wäldern und Feldern der Ardennen. Der Genuss der letzten Sommersonnenstrahlen und der ersten herbstlichen Farben. Eine Nacht im Wald, vom Röhren des Hirsches in den Schlaf gewiegt. Sterne, der Wind in den Blättern und sich selbst überwinden. All das erfüllt mich mit Freude und ich weiß, so fühlt sich ein Kind an Weihnachten!

 

Begegnung mit Julien Libert, Ardenner und Naturliebhaber

 

Ich war Julien schon Mal begegnet, da wir beide das Abenteuer lieben und in unseren Blogs darüber erzählen. Ich war ganz besonders begeistert, mit ihm an meiner Seite die Ardennen zu Fuß zu erkunden, weil er in der Reisebloggerwelt eine Kämpferlegende ist: er trailt und packraftet auf Parcours, die für Normalsterbliche unerreichbar sind. Auf seinen Fotos ist er immer an magischen Orten zu sehen, auf einem Gipfel, Weg oder einem zauberhaften Wald. Er strömt das Glücksgefühl aus, Dinge überwunden zu haben, Stolz, alles gegeben und erobert zu haben und das mit dem größten Respekt vor den Dingen, die seinem Lebensweg füllen.

Ich war minimal eingeschüchtert. Im Wald schlafen, Wildschweine, die Kälte im Zelt, die kilometerlange Strecke mit dem Gewicht des Rucksacks…

Soweit ich mich erinnern kann, war mein letztes Biwak mit 14. Auch wenn ich es liebe, über tausende von Dingen zu wandern, verbringe ich die Nacht doch immer in einem komfortablen Chalet oder einer Hütte. Ganz alleine auf einem Biwak im Zelt war mein Traum. Ich hatte mich seit längerem mental darauf vorbereitet, aber hatte nie die Gelegenheit dazu. Also versuchte ich es mit meinem Begleiter Peter und Julien als Anführer. Die perfekte Gelegenheit, um das Gebiet auszutesten.

Notiz: Julien Libert, Blogger von Sentiers du Phoenix, nimmt seine Leser mit in alle Ecken der Ardennen und der Welt. Seine Erzählungen preisen eine angenehmen Rückkehr zu den Wurzeln an und sind eine Ode an das Abenteuer. Er stellt auch die GPX-Strecke seiner Wanderungen zur Verfügung, um sie jedem zugänglich zu machen, der die fabelhaften Miniabenteuer wiederholen will.

Das stille Glück des Wanderns

 

„Heute lassen wir es ruhig angehen“, eröffnet uns Julien, als wir uns zum Start rüsten. Wir lassen das Auto in Samrée stehen und brechen in Richtung Wald auf. Uns trennen ca. 15 km vom Lagerplatz von Houffalize auf dem Plateau von Tailles.

 

Vor unseren Augen erstreckt sich die Natur in all ihrer Sanftmut: funkelnde Sonnenstrahlen, das Säuseln des Windes in den Blättern, Bachläufe, Pilze… So viele kleine magische Momente, die das ganze Glück der Wanderer sind. Wir überraschen eine Herde Hirschkühe am Waldesrand. Sie heben einheitlich die Köpfe und machen sich vor unseren Augen aus dem Staub. Wir sind komplett allein im Wald und haben das Privileg, eng mit der Natur verbunden zu sein.

 

 

Ich wusste nicht, wie ich die Situation meistern würde. Aber der Wunsch, mich zu übertreffen, motivierte mich von innen heraus.

Sentiers du Phoenix

Der Zauber eines Biwaks

 

Wir erreichen den Lagerplatz relativ früh und bauen unser kleines Camp auf. Ich helfe Julien auf der Suche nach Feuerholz, während Peter versucht mit der Taschensäge von Julien, einen Baumstamm abzusägen. Eine Gruppe Touristen baut ihr Lager etwas weiter weg und unser Teil des Waldes lebt etwas auf.

Die Nacht bricht nach und nach herein sowie das Feuer wächst. Ich mache mich auf, am Fluss Wasser zu holen, um den gefriergetrockneten (magischen) Couscous zuzubereiten, den Julien mir mitgebracht hat. Die längsten fünf Minuten meines Lebens in der totalen Dunkelheit des Waldes.

Am Ende des Weges kann ich das Licht einer Stirnlampe erkennen: jemand kommt auf mich zu. Ein Herr, der ganz allein wandert und mich nach der Lage des Lagerplatzes fragt. Eine ganz einfache Begegnung, die mich begeistert.

 

Wasser aus dem Fluss zu holen, um das Essen zuzubereiten, ist schon etwas besonderes: eine heilsame Rückkehr zum Ursprung. Aber in der Nacht unter den tausenden Wanderwegen einen Wanderer zu treffen, der den gleichen Zauber erlebt wie man selbst, ist einfach Schicksal. Unsere Herzen schlagen im selben Takt. Worte sind überflüssig.

 

Später stoßen weitere Freunde und Unbekannte zu uns. Wir teilen Feuer, Holz, Bier und angenehme Gespräche bevor wir uns in unsere Zelte und Hängematten zurückziehen.

Der lange Rückweg und die schönsten Umwege

 

Im Morgengrauen teilt Julien seinen Kaffee mit uns. Wir frühstücken schnell und brechen zügig auf. Heute wird es nicht so „ruhig“ wie gestern! Vor uns liegen ca. 25 Kilometer bis wir unseren Startpunkt Samrée erreichen.

Ein Schritt vor den anderen, mal schneller, mal langsamer. Julien zeigt uns die ganze Schönheit der Flecken des Waldes, die er kennt.

 

Auch wenn sich so langsam die Müdigkeit bemerkbar macht, könnte ich tagelang, wochenlang weiterlaufen… Sogar für immer? Könnte ich für immer weiterlaufen? Ja, ich bin mir sicher und diese Einsicht stärkt mich. Auch ich habe in den Ardennen gesiegt: ich bin eine Kämpferin.

Erlebt es selbst

Tretet mit Julien über seinen Blog Sentiers du Phoenix in Kontakt

www.sentiersduphoenix.be