Gaume im Lauf der Zeit

Ich bin in gaume
auf Zeitreise gegangen

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Marion - Chroniques d'une ardennaise

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100% aus den Ardennen, mit einer Mischung aus Belgien und Frankreich

Zeitreisen sind ein Kinderspiel!

Zeitreise in Gaume

Eine der Besonderheiten der Ardennen ist, dass es hier historische und kulturelle Überreste aus vielen verschiedenen Epochen gibt. In Gaume könnt Ihr in einem Umkreis von knapp zehn Kilometern eine Zeitreise durch all diese Epochen unternehmen.

1 Tag in der Vergangenheit

 

Das Museum von Gaume

Für meine allererste Zeitreise habe ich einen Termin im Museum von Gaume. Dieser kleine Gedenkort zeichnet die Geschichte von Gaume von der Antike bis zur Gegenwart nach. Auf dem Museumsgelände erwartet mich keine Zeitmaschine, sondern ein junger Geschichtsbegeisterter, Hugo, der mich durch den Tag führt.

 

Kaum dass ich einen Fuß in das Museum gesetzt habe, fühle ich mich auch schon in die Vergangenheit zurückversetzt und finde mich plötzlich einem merowingischen Soldaten gegenüber - und er ist gesund und munter! Da hat sie auch schon begonnen - meine erste Zeitreise. Wir befinden uns im fünften Jahrhundert nach Christus und das Römische Reich ist im Niedergang. Der Krieger vor mir erzählt mir seine Geschichte und die seines Volkes. Angesichts des Untergangs des Römischen Reiches sind es die Heiden, die versuchen das fränkische Königreich an sich zu reißen. Sie siedeln sich zunächst in Gaume an. Von daher kann man diesen Ort auch als die Wiege des fränkischen Königreichs Austrasien verstehen!

 

Das Museum von Gaume

Hugo hat sich mir deshalb als Soldaten vorgestellt, weil Soldaten in jener Zeit einen wichtigen Platz in der Gesellschaft einnehmen. Hinter jedem Handwerker, Bauern oder Dorfbewohner steht ein Soldat. Auch ziehen in den Krieg und greifen zu Waffen, um ihr Land und ihr Zuhause zu verteidigen. Die Totenstadt von Torgny, nur wenige Kilometer von Gaume entfernt, zeugt davon. Diese antike Grabstätte ist fast vollständig ausgegraben worden und zählt knapp 300 Gräber, in denen die Bewohner mit ihren Waffen bestattet wurden; für Bessergestellte gab es eigene Zeremonien. Im Inneren des Museums von Gaume kann man die Schätze entdecken, die die Ausgrabungen dieser Grabstätte zutage gefördert haben. 

Schließt die Augen und folgt dem Ritter!

 

Das Schloss von Montquintin

 

Schon verlassen wir das Museum wieder und finden uns am Fuße des Schlosses Montquintin im 14. Jahrhundert wieder. Anstelle des Merowinger-Kriegers tritt ein Ritter im Kettenhemd mit eng anliegenden Hosen und einem Wappen auf seiner Kleidung. Das Wappen ist das der Familie Laval. Da dieser Ritter ein Schwert und eine Geißel trägt, folge ich ihm mit dem gebührenden Respektabstand. Er erzählt mir mehr über die Geschichte dieser Burg, die jetzt in Trümmern liegt. Von Familie zu Familie weitergegeben, hat das Schloss Montquintin mehrere Erweiterungen gekannt. Im 11. Jahrhundert wurde als erstes Gebäude ein hoher, quadratischer Turm errichtet, welcher im 13. Jahrhundert durch eine trapezförmige Umfassungsmauer mit drei weiteren, diesmal runden Türmen ergänzt wurde. Das Innere des Schlosses wurde später von einer zweiten Familie ausgebaut und eingerichtet. Heute ist die Burg eine Ruine und strahlt eine romantische Atmosphäre aus, in der Efeu und Stein wunderschön mit der umgebenden Natur verschmelzen.

Ein Dorf, jenseits der Zeit

Die Zitadelle von Montmédy

 

Hugo, der vor meinen Augen zum Ritter geworden ist, schlägt mir vor, unsere Zeitreise über die Ländergrenze zwischen Belgien und Frankreich hinaus fortzusetzen. Auf der französischen Seite angekommen, befinden wir uns nun im 16. Jahrhundert, und zwar in der Hochburg von Montmédy. Diese Festung liegt auf einem Berg auf halbem Weg zwischen den Städten Trier und Reims, daher der Name Montmédy. Zunächst errichtete die Familie Devise hier einen kleinen Wall und im 18. Jahrhundert ließ eine wichtige Persönlichkeit, der Erzbischof von Trier, diesen Wall zu einer Residenz umbauen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Zitadelle von Montmédy zu einer eigenständigen Stadt. Noch heute leben rund 80 Einwohner in den Häusern im Herzen von Montmédy.
Ich folge meinem Ritter auf dem Wallweg und lausche staunend, als er mir die Geschichte dieses kleinen Ortes erzählt. Vor der barocken Dorfkirche machen wir Halt. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, aber Hugo verrät mir, dass sie einen antiken römischen Tempel beherbergt, der zu Ehren des Gottes Merkur errichtet wurde. Ich gehe weiter entlang der Stadtmauern dieses Dorfes, in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Hin und wieder treffen wir auf ein paar Einwohner, die ihren täglichen Geschäften nachgehen, oder aber sie versuchen, das Geheimnis des Schatzes von König Ludwig XVI. zu lösen... Denn eine Legende besagt, dass der Schatz von Ludwig XVI. und Marie-Antoinette noch immer in den unterirdischen Gängen der Hochburg versteckt sein soll

Das Museum von Gaume

Montmédy hält noch einige weitere Überraschungen für mich bereit, darunter einen letzte Zeitreise in die Zeit des Ersten Weltkrieges. Dank der Vauban-Befestigungen war die Zitadelle nämlich schon immer ein strategischer Militärstützpunkt und galt zudem als die größte Festung Ostfrankreichs - von daher auch ihre Bedeutung während des ersten Weltkrieges. Im Jahr 1914 waren hier 2300 Männer untergebracht, ihre Wohnbaracken können noch heute besichtigt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zitadelle schließlich vollständig entmilitarisiert, um nach und nach zu dem zu werden, was sie heute ist: Ein historisches Kleinod und eine Möglichkeit für Besucher, auf Zeitreise zu gehen.

Das Museum von Gaume

Ich möchte auch so etwas erleben!

Das Museum von Gaume
38-40, rue d'Arlon
6760 Virton, Belgien
Webseite: Museum von Gaume
Tel.: +32 63 570 315
Von 1. März bis 30. November außer an Dienstagen durchgehend geöffnet. Während der belgischen Schulferien von 9.30 - 12.00 Uhr und von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. An den Weihnachtsfeiertagen sowie am Neujahrstag bleibt das Museum geschlossen. 

Die Zitadelle von Montmédy
2 Rue de l'Hôtel de Ville
Citadelle - Ville Haute
55600 Montmédy, Frankreich