Eingang in das militärhistorische Landesmuseum von Diekirch, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Ich habe das militärhistorische Landesmuseum in DIEKIRCH besucht

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Marion - Chroniques d'une ardennaise

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100% aus den Ardennen, mit einer Mischung aus Belgien und Frankreich

Es ist, als ob man dort gewesen wäre

Ich habe das militärhistorische Landesmuseum von DIEKIRCH besucht

2 Stunden Spaziergang in der Geschichte

Die Ardennen sind eine wahrlich geschichtsträchtige Region inmitten von Europa. Nicht weniger als drei Weltkonflikte haben sich hier zugetragen: Der französisch-preußische Krieg von 1870-1871, der Erste und der Zweite Weltkrieg. Darüber hinaus fanden zahlreiche Schlachten statt, von denen einige traurige Berühmtheit erlangten: Die Schlacht von Sedan etwa, oder die sogenannte "Ardennenschlacht", welche jenseits des Atlantiks als "The Battle of the Bulge" bekannt ist.

Foto vom Eingang in das militärhistorische Landesmuseum von Diekirch, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Gedenken an das Militärgeschehen der Vergangenheit

Am Eingang des militärhistorischen Landesmuseums in Diekirch "begrüßt" mich ein Kampfpanzer. Er stimmt mich sofort auf das ein, was kommt. Nämlich die Auseinandersetzung mit einer der dunkelsten Episoden unserer jüngeren Zeitgeschichte: das Kriegsgeschehen.
Das Museum zeichnet das Schicksal der luxemburgischen Armee und ihrer Soldaten im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg nach. Jeder Winkel der 3.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche ist eine Ode an die Erinnerung. Das Museum dient noch heute als Gedenkplatz für die wenigen Veteranen und Zeitzeugen der Kriege, die bis heute ihre Erinnerungen an die jüngeren Generationen weitergeben, damit sich "Nie wieder!" derartige Schrecken wiederholen mögen.

Der Eingang in das Museum stellt unter anderem ein altes Fahrrad aus, von Marion vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Das Gebäude ist ein wahres Mahnmal der Geschichte. Hier treffe ich auf Männer und Frauen, mir von seinem Bau und seiner Geschichte erzählen. Sofort bin ich von der dunklen Atmosphäre, die hier im Gedenken an den Krieg herrscht ergriffen. All die historischen Räume und Kriegsobjekte lassen mich spüren, wie das Gewicht der Geschichte wahrlich auf meinen Schultern lastet! Ein altes Fahrrad, ein Stück Stacheldraht, ein Mann getarnt für den Kampf, ein Fernglas in der Hand. Er hält Wache, er beobachtet mich und er lehrt mich, wie sich die Kriegsereignisse wohl zugetragen haben werden.
Ich bewege mich weiter und entdecke eine Reihe von lebensgroßen Kunstfiguren. Es ist, als wäre ich mitten in der Schlacht, manchmal verschanzt in einem behelfsmäßigen Unterstand, manchmal in einem zerstörten und verlassenen Haus, zum Schutz vor den Bombenanschlägen, oder direkt neben meinen Mitsoldaten, die eine schwere Last durch den tiefen Schnee schieben.

Schnell, geht in Deckung! 

Eine unglaubliche Sammlung

Neben einem atemberaubenden Ausstellungsgelände verfügt das Museum über eine große Sammlung an ebenso beeindruckenden und faszinierenden Kriegsobjekten. Denn Kriegszeiten haben immer wieder auch viele Erfindungen, sowie soziale und gesellschaftliche Fortschritte mit sich gebracht. Fortschritte in Wissenschaft und Medizin zum Beispiel wurden oft durch Experimente während Kriegszeiten erzielt. Hier sehen wir eine Vielzahl von Gegenständen, die später in der Zivilgesellschaft verwendet wurden und die heute bekannt sind. Die Uhr oder das GPS sind sehr gute Beispiele dafür. Es gibt auch Prothesen, die fortan im medizinischen Bereich eingesetzt werden.

Foto mit verschiedensten Kriegsgegenständen, von Marion vom "Blog Chroniques d'une ardennaise"

Andere Objekte wiederum sind komplett aus dem Verkehr gezogen worden. Sie sind nur noch in Museen zu finden, beispielsweise die sogenannte Propaganda-Granate. Diese explodierte in der Luft und lieferte so Plakate aus, die zuvor hineingeschoben wurden. Dadurch war es möglich, Informationen schnell und in großen Mengen an die Bevölkerung zu verteilen. Ich bin beeindruckt von der Sammlung medizinischer Hilfsgüter. Medikamente, Produkte und Werkzeuge aller Art sind hier in großen Vitrinen ausgestellt, die die die Versorgung der Verletzten durch Krankenschwestern und Ärzte veranschaulichen. Die vielen Originalfotos sind überwältigend. Sie führen mich mitten hinein ins Kriegsgeschehen. Bei den Schwarz-Weiß-Bildern der Konzentrationslager kommen mir immer wieder die Tränen. "Nie wieder!", so hoffe ich. Sicher ist, dass ich diese Bilder so schnell nicht wieder vergessen kann.

Die Eindrücke bewegen mich zutiefst! 

Der Maschinensaal

Ich versuche, mich wieder etwas zu fangen, um noch in den riesigen Raum zu gehen, in dem die amerikanischen, britischen und deutschen Kriegsfahrzeuge ausgestellt sind. Etwas in diesem Raum schließlich zaubert mir gar ein schiefes Lächeln ins Gesicht. Zwischen all den Fahrzeugen stehen Kisten mit Granaten und Raketen; eine davon trägt eine Karikatur mit der Aufschrift "Greetings to Adolf from 457th B.G.".

Foto einer Flugabwehrrakete mitsamt einer Karikatur, von Marion vom "Blog Chroniques d'une ardennaise"
Foto von historischen Kriegsobjekten im militärhistorischen Landesmuseum von Diekirch, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Alle Arten von Fahrzeugen, kleine bis riesige, sind hier ausgestellt. Motorräder, Panzer, Jeeps, ... Ich glaube, ich habe noch nie so viele Militärfahrzeuge auf einmal gesehen. Viele von ihnen wirken so neu und glänzend, als kämen sie gerade erst aus der Fabrik. Es beruhigt mich ein wenig und ich fange an, die Schrecken des Krieges hinter mir zu lassen. Doch ganz vergessen kann ich sie nicht.

Vom Krieg zum Frieden

Nach all den Kriegsfiguren, Kriegsobjekten und Kriegsfahrzeugen ist es an der Zeit, ein wenig mehr über die Geschichte der luxemburgischen Armee und ihrer Soldaten zu erfahren. Eine Reihe von Räumen zeigt die Entwicklung der Armee, ihrer Uniformen und Ausrüstung. Hier lerne ich auch, auf welche Weise sich Luxemburg für den internationalen Frieden engagiert. Dank zahlreicher humanitärer Missionen und friedensfördernden Einsätzen arbeiten luxemburgische Soldaten heute eng mit den Mitgliedern der Vereinten Nationen für den Frieden. Das letzte Bild zeigt den gesamten Verlauf der Geschichte, den auch ich heute etwas beschleunigt zurückgelegt habe. Denn in nur zwei Stunden Besuchszeit habe ich mehrere Kriege und Schlachten erlebt, habe Schrecken, Exil, Hungersnot und Folter erfahren, aber auch am Aufbau eines dauerhaften Weltfriedens mitgewirkt.

Ich möchte auch so etwas erleben!

 

Militärhistorisches Landesmuseum
10 Bamertal, 9209 Diekirch, Luxemburg
Tel: +352 80 89 08
www.mnhm.net
reception@mnhm.lu

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