Foto von Rimogne, auf der Schieferstraße, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une Ardennaise"

Ich habe die Ardennen entlang der Schieferstraße bereist

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Marion - Chroniques d'une ardennaise

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100% aus den Ardennen, mit einer Mischung aus Belgien und Frankreich

Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde

Ich habe die Ardennen entlang der Schieferstrasse bereist

440 Kilometer Wegstrecke

Wenn man nur ein Objekt nennen dürfte, das für die Ardennen steht, so wäre dies zweifelsohne der Schiefer. Denn das Schiefergestein ist in den belgischen, französischen und luxemburgischen Ardennen weit verbreitet. Jahrhundertelang bestimmte die Gewinnung dieses Rohstoffes den Rhythmus des gesellschaftlichen Lebens in den Ardennen. Auch heute noch findet Ihr vielerorts Spuren dieses reichhaltigen Kulturerbes.

Schiefersteine übereinander aufgeschichtet, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une Ardennaise"

Von Alle-sur-Semois…

Die Schieferstraße umfasst fünf verschiedene Etappen und durchquert die gesamten Ardennen, von Haut-Martelange in Luxemburg bis Rimogne in den französischen Ardennen. Ich selbst reise dieses Mal auf drei dieser Ertappen, beginnend in Alle-sur-Semois.

Dort können wir im Schiefermuseum "Ardois’Alle" zwei Schieferminen besichtigen. Eine davon ist im Tagbau noch aktiv, hier werden einzelne Schiefertafeln gewonnen, um daraus beispielsweise Wandbeschläge zu machen. Die andere, mit vielen unterirdischen Stollen die heute zahlreiche Fledermäuse beherbergt, hat ihren Betrieb im Jahr 1948 eingestellt. Wir lernen mehr über das Leben mehrerer Generationen von Bergleuten und die Entwicklung der Schieferabbautechniken. Ein kleines Museum gibt einen guten Einblick in das tägliche Leben der Bergleute, in die Werkzeuge, mit denen sie arbeiteten, und in den gesamten Kreislauf der Schiefer-"Herstellung". Schiefer wurde unterirdisch in Blöcken abgebaut, die manchmal mehr als 200 Kilo wogen und die die Bergleute einst auf dem Rücken trugen. Diese Blöcke wurden dann in zwei geteilt, dann in zwei weitere und so weiter, bis sie nur mehr drei bis vier Millimeter dünn waren. Diese feinen "Blätter" wurden dann in verschiedene Formen geschnitten, je nach dem, wofür sie verwendet werden sollten. Eine lange und mühsame Arbeit, die viel Präzision und Akribie erforderte!

Eine ganze Welt liegt unter unseren Füßen verborgen!

…bis nach Bertrix

Diese allerersten Entdeckungen rund um den Schiefer machen mich neugierig. Ich fahre weiter bis nach Bertrix, dem zweiten Zwischenstopp meiner Reise entlang der Schieferstraße. Dort angekommen, gönne ich mir erst mal ein sogenanntes "Mienenarbeiter-Omelette", welches direkt in der Pfanne serviert wird und von einem lokalen Craft Beer, dem Morépire begleitet wird. Vorsicht, dass Ihr nicht zu viel erwischt: Schließlich heißt es gleich darauf ab in die Minenstollen auf bis zu 25 Meter unter der Erde!

Spezial-Omelette serviert mit regionalem Bier, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une Ardennaise"

In Bertrix lerne ich, dass Schiefer in mehreren Tiefen gewonnen wird, und zwar in 25, 40 und 60 Meter Tiefe. Bei unserer Reise zum Mittelpunkt der Erde steigen wir zwar nur auf 25 Meter hinab. Ich muss aber ehrlich sagen, dass mir dies auch reicht!

Zeit also, um unser Erlebnis zu starten. Mit einem Schutzhelm samt Stirnlampe ausgestattet mache ich mich langsam auf (oder ab) in die Erde. Sobald das Tageslicht verschwunden ist, kommt direkt unter unseren Füßen eine neue Welt zum Vorschein. Am Fuße einer ewig lang scheinenden Eisentreppe startet unser Spaziergang durch dieses Labyrinth aus Bergwerksstollen. Es ist sehr dunkel, manchmal habe ich das Gefühl kaum die Hand oder besser gesagt den Fels vor Augen zu sehen, und dann plötzlich öffnen sich riesige Räume, fast so hoch wie Kathedralen. Ich bewundere die Stille, während ich mir den einstigen Lärm vorstelle, den die Minenarbeiter den ganzen Tag über erlebt haben müssen. Wenn ich auf einen Knopf neben mir drücke, dringt die Nachahmung dieser Geräuschkulisse an mein Ohr. Auweia! Ich bin froh, dass es vorbei ist. Zurück in der Stille beobachte ich die rekonstruierten Szenen von Männern, die schwere Karren schieben, die Schieferblöcke auf dem Rücken tragen und sie mit einer einfachen Leiter nach oben ziehen. Dann benutze auch ich diese Leiter, um wieder nach oben zu gelangen. Ob des Tageslichts, der frischen Luft und dem Klang der Natur rund um mich bin ich nun doppelt froh. Erneut mache ich mich auf in Richtung Rimogne, meiner letzten Etappe auf diesem Weg, und denke über das Erlebte nach.

Foto aus der Schiefermine von Bertrix, einem Zwischenstopp entlang der Schieferroute, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une Ardennaise"

Man meint zu träumen, wenn sich die Sonne faszinierend schön im Schiefergestein wiederspiegelt!

Zwischenstopp in Rimogne

In Rimogne ist jeder mächtig stolz auf den Schiefer und das damit verbundene Kulturerbe. So ist meine erste Adresse hier auch das Schiefermuseum (Maison de l’Ardoise), welches in der vormaligen Elektrozentrale der Minenarbeiter untergebracht ist. Hier erfahre ich mehr über die Geschichte des Schieferabbaus in der Region sowie rund das Dorf Rimogne selbst, wenngleich der Betrieb schon 1971 eingestellt wurde. Zu seiner Hochblüte war Rimogne eine der größten Schieferminen von ganz Frankreich, welches bis zu 120 Meter unter die Erde reichte, um die berühmten Schieferplatten zu Tage zu fördern. Mein Rundgang durch das Museum lässt mich am Alltag der Minenarbeiter auf spannende und interaktive Art und Weise teilhaben.

Schubkarre voller Schieferplatten, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une Ardennaise"

Beim Verlassen des Museums entdecke ich amüsante Zeichen am Boden, die mich dazu animieren, das Dorf Rimogne näher zu erkunden. Überall finden sich Spuren des Schieferabbaus. Mitten im Dorf: Ein etliche Meter hoher Förderturm, genannt Puits-Saint-Quentin. Ein einfacher Lift in seinem Inneren diente den Minenarbeitern dazu, bis zu 120 Meter in die Tiefe zu gelangen. Heute ist der Turm das Wahrzeichen von Rimogne, hinzu gesellt sich ein Spielplatz für Kinder, Skulpturen und Bilder einzelner Minenarbeiter. Darüber hinaus erblicke ich auf meinem Rundgang durch das Dorf weitere vormalige Behausungen der Arbeiter, Abraumhalden oder gar eine Stützmauer, die einzig und allein aus Schiefer gebaut wurde. 

Der ehemalige Schiefer-Förderturm in Rimogne, dank dem die Minenarbeiter 120 Meter in die Tiefe gelangten, um Schiefer abzubauen, aufgenommen von Marion vom Blog "Chroniques d'une Ardennaise"

Auf meinem Rückweg sinniere ich darüber, dass der Schiefer eigentlich überall in den Ardennen präsent ist, vor allem auf den Dächern. Dort spiegelt er die Sonne auf einzigartige Weise wieder, manchmal in Blau-, mitunter gar in Grün- oder Rosa-Tönen, was den entsprechenden Dörfern eine gewisse Magie verleiht.

Ich möchte auch so etwas erleben!

 

Schieferstraße ("Route de l'Ardoise")
Hier könnt Ihr die Geschichte des Schieferabbaus in den Ardennen kennen und erleben lernen, von Rimogne bis nach Haut-Martelange
www.routedelardoise.com

 

Was ich unterwegs besucht habe: 

 

Schiefermuseum ("La Maison de l’Ardoise")
95 rue Jean-Baptiste Clément, 08150 Rimogne, Frankreich
Tel : +33 324 35 13 14
www.village-ardoise-rimogne.fr
maisondelardoise@mairie-rimogne.fr

 

Schiefermuseum "Ardois’Alle"
12 Rue de Reposseau,5550 Alle-sur-Semois, Belgien
Tel : +32 497 45 43 74
www.ardoisalle.be
ardoisalle@skynet.be

 

Schiefermuseum "Au cœur de l’Ardoise"
Rue du Babinay, 1 6880 Bertix, Belgien
Tel : +32 61 41 45 21
www.aucoeurdelardoise.be
info@aucoeurdelardoise.be