O Fil de l'osier

O Fil de l'osier,
Flechtkunst aufleben lassen

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Pierre Pauquay

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Die Ardennen über Täler und Hügel

Kultur und Wanderungen

ist die Flechtkunst eine sinnliche Kunst geworden?

Bei O Fil de l’osier habe ich die alte Korbflechtkunst erlernt

Eine natürliche Handwerkskunst und einen eigenen Weidenkorb herstellen

5 Min. Auszeit

In Haybes führt eine Handwerkerin altes Knowhow weiter, das von Weiden und Wasser lebt. Dank der Zauberhände von Sandra Meunier lebt die Korbflechtkunst wieder auf… und ich habs mir angeschaut.

 

Die Maas fließt leise durch das Dorf Haybes: die Zeit steht still und zieht mit einer sanften Einsamkeit vorüber, die den Ardennen weit weg vom Trubel der Stadt eigen ist. Hier in einer kleinen Werkstatt treffen ich eine quirlige Frau, Sandra Meunier. Seit 3 Jahren lässt sie die Korbflechtkunst wiederaufleben. Diese Handwerkskunst ging im Laufe der Zeit verloren und ist ein Teil unserer Geschichte. In den 1930ern ging ganz Frankreich mit Weidenkörben am Arm spazieren… Einkäufe wurden mit dem Korb unterm Arm gemacht. Zu Hause trug man die Holzscheite und man zog in großen Weidenkoffern um. Auf dem Land nutzten die Landwirte Weidenruten, um Rohmaterial zu entdecken. Trauben wurden in Kiepen, Obst in Kisten transportiert. Auch hier im Departement existierte die Tradition der Korbflechterei. Im Süden, Richtung Vouziers, war die Landschaft von Weidenanlagen bedeckt und zahlreiche Partnerbetriebe produzierten die berühmten ardenner Koffer. Dann kam die Nachkriegszeit und mit ihr brach die Ära des Plastiks an. Eine ganze Sparte handwerklicher Wirtschaft ist verschwunden.

Sandra Meunier

Weiden und Wünsche

 

Sandra hat das Erbe angetreten und ihren Beruf als Wirtschaftsberaterin aufgegeben, da sie von ihrer Handwerkskunst leben wollte. „Ich wollte etwas Handliches machen, meine berufliche Umorientierung sollte praktisch orientiert sein, aber welches Handwerk sollte es sein? Nach ein paar Ideen, fiel die Wahl schnell auf die Korbflechtkunst: Ich habe eine fantastische Welt entdeckt…“, sagt sie zu mir. In ihrer Werkstatt, die ich mir in Haybes anschaue, verfügt sie über eine richtige kleine Struktur: ein paar Werkzeuge, Weidenruten, Wasser und das wars schon…

 

Ich möchte unbedingt die Weidenruten zuschneiden und sie mit meinen Händen ohne große, lärmende Maschinen bearbeiten. Die Kunst besteht im Flechten, im Weben.

 

Vom Baum bis zum Korb schafft die Handwerkskunst dank ihres überlieferten Wissens und Kunst ein fertiges Produkt. Sandra erzählt mir, dass sie im Übrigen im Departement Marne wieder die Schulbank drückt, um alte Gesten und Webtechniken zu erlernen.

Wenn Obst den Korb füllen soll, muss die Weide so unbearbeitet wie möglich sein.

Korbflechtkunst im Trend

 

Diese Handwerkskunst ist zwangsweise nachhaltig und ökologisch. Das Rohmaterial kommt aus der Natur, aus Frankreich. Sandra erklärt mir, während sie ihr Werkzeug vorbereitet, dass sie die „Ethik des Materials liebt, so natürlich wie möglich. Wenn Obst den Korb füllen soll, muss die Weide so unbearbeitet wie möglich sein… Ich mag kurze Versorgungsketten. Die Weiden aus dem östlichen Ausland brechen: ich glaube, dass sie bearbeitet werden und zum schnelleren Entfernen der Rinde gekocht werden. Ich kaufe meine hochwertigen Weiden bei Weidenanbauern in Marne.“ Die Weiden stammen von einer Weidenart, die im Winter beschnitten werden. Sandra zeigt mir ihre Ballen: sie benutzt 1m, 1,20m und 1,60m lange Ruten von bestimmten Arten, die beweglicher oder härter sind. Für meine erste Erfahrung als Korbflechter hat Sandra mir schon eine weiche Weide ausgewählt, die einfacher zu bearbeiten ist. Sie erzählt mir, dass diese in einem kühlen, gut belüfteten Raum gelagert werden. Die Weide muss vor der Verarbeitung vollständig getrocknet sein, da sie sehr viel Wasser verliert. Große Kaliber werden daher sechs Monate bis zu einem Jahr gelagert. Durch das Trocknen behält die Weide ihre Schönheit bei, das Weichen ermöglicht ihre Bearbeitung. Die grüne Weide wird eine Woche bis zu drei Wochen lang in einem Becken eingeweicht. Weiße Weide wiederum benötigt nur eine Stunde zum Weichen. „Wenn ich sie nicht schnell genug bearbeite, fault sie. Ich muss also vorausplanen“, fasst Sandra zusammen. Die Kunst ihres Handwerks besteht darin, das Material zu erfühlen und die Reife der Pflanze einzuschätzen: die Weide lebt wie ein Holzbrett, nicht mehr und nicht weniger.

Sie flicht ihr Wissen mit ein

 

Sandra ist was ihre Kunst betrifft, unerschöpflich. „Ich verarbeite gern Ideen eines lokalen Handwerkers: diese Idee mache ich zu einem für immer einzigartigen Objekt. Ich kann die Farbe, Form, den Korbboden, vielleicht aus Keramik, von einem anderen Künstler gefertigt, anpeilen…“ Sie verarbeitet die Weide zum Alltagsobjekt und verbindet das mit Ästhetik. In ihrer Werkstatt bleiben meine Augen an einer Weidenrassel hängen. Sie erzählt mir, dass ein alter Brauch es so will, dass man sie einer werdenden Mutter schenkt. „In ihrem Innern sind sieben Steine, die die 7 Todsünden darstellen. Solange sie eingesperrt sind, schützen sie das Kind…“

 

Mit ihrer Hilfe entwickeln sich die Körbe. Aus einem kitschigen, altmodischen Objekt wird ein modernes. Sandra holt eines hervor und zeigt es mir: „Da früher die weiße Weide oft verwendet wurde, mische ich im Moment die Weidenfarben und verleihe den Kreationen einen netten Anstrich…“ Das Produkt verführt und entspricht wieder dem heutigen Geschmack. Die Weide wird nachhaltig und schön: man kann sie fast unendlich oft reparieren. Ich frage mich, ob die Korbflechtkunst nicht zum Trend wird…

Zufrieden mit meinem Ergebnis, habe ich ein bisschen altes Wissen erlernt und einem Naturstoff Form gegeben.

Kunst und die Materie

 

Jetzt wird es Zeit für die Erfahrung: die Weide flechten und einen kleinen Korb herstellen. Das bietet Sandra in ihren Kursen an. Sie stellt meinen Korbboden mithilfe eines kleinen Holzbretts her, das aus Holmen besteht. Ich schnappe mir die Rute und biege sie. Durch das Weichen ist sie weich und biegbar, einfach erstaunlich! Sandra erklärt mir meine einfache Vorlage. Ich flechte und führe die Weide vor und hinter die Streben. Meine Finger können das Material fühlen und ich erkenne seine Resistenz. Die Rute führt mich: je mehr ich sie ausrolle, desto mehr schaffe ich dieses pflanzliche Gerüst. „Diese Technik beim Zusammenfügen ist typisch französisch“, sagt Sandra zu mir, während ich konzentriert flechte, den „Zaun“ nach oben webe. „Man kann immer wieder zurückgehen, und so wie in diesem Fall den Boden deines Korbes reparieren. Eine andere, schnellere Flechtweise, ist die Spanische, bei der mit einer einzigen Rute das ganze Objekt umfasst wird: alles wird in einer einzigen Bewegung geflochten, aber Fehler können nicht mehr korrigiert werden.“

 

Als ich die gewünschte Höhe erreicht habe, schneide ich den Überschuss mit einer Gartenschere. Zufrieden mit meinem Ergebnis, habe ich ein bisschen altes Wissen erlernt und einem Naturstoff Form gegeben. Doch beim Anblick meines einfachen Korbes neben den Werken der Künstlerin muss ich doch ein wenig schmunzeln. Die Objekte, die ich in der Werkstatt sehen, verlangen eine Fingerfertigkeit, gleichmäßige Bewegungen und Kraft, um die Henkel zu flechten… eine ganz andere Arbeit als die meine. Sandra liebt es, die Weide zu berühren, dieses feine Gefühl, wenn die Ruten in der Luft peitschen und es schnalzt wie bei einem Schlagzeug: ist die Flechtkunst eine sinnliche Kunst geworden?

Erlebt es selbst

 

Korbflechtwerkstatt "O Fil de l'Osier"

16 rue du Dr Bonnet

08170 Haybes

06.70.74.55.83

Die Werkstatt kann an allen Tagen geöffnet werden

 

Buchen und Infos:

ofildelosier@laposte.net