Wochenende beim Schloss von Vianden - Pauline von Unloved Countries

Ich habe ein Wochenende in Vianden verbracht

Eines der schönsten Beispiele für Feudalarchitektur in Europa

Schloss VIANDEN: Sowohl das Schloss als auch die stadt vIANDEN ermöglichen eine spektakuläre reise in die geschichte

                     

zweitägiger besuch (wen mann sich zeit nimmt)

 

Ein Schmuckstück des Mittelalters umgeben von traumhaft schönen, grünen Hügeln. Über der Stadt Vianden schwebt die Seele eines berühmten französischen Schriftstellers. Pittoresk liegt dieser Ort inmitten des Flusstals der Our in den luxemburgischen Ardennen.

Der byzantinische Säulengang im Schloss Vianden - Pauline von Unloved Countries

Ein ganz und gar erstaunliches, mittelalterliches Schloss

 

Wie es sich für ein gutes mittelalterliches Schloss gehört, thront auch Vianden auf einem gewaltigen Felsvorsprung über seine Umgebung. Schon von weitem können wir es erkennen. Bei unserer Ankunft in Vianden liegt der ehemalige Herrschaftssitz der Grafen von Vianden auf der anderen Seite des Flusses. Bezaubernd und so makellos! Warum das so ist, erfahren wir bei unserem Besuch am darauffolgenden Tag.

Der größte Teil des Schlosses ist zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert erbaut worden, und zwar direkt auf den Ruinen eines römischen Kastells, sowie danach einer karolingischen Befestigung. Bis zum 15. Jahrhundert beherbergte es den Herrschaftssitz der Grafen von Vianden. Heute ist das Schloss von Vianden eines der schönsten Wahrzeichen für romanische und gotische Architektur in Europa.

Die Blütezeit von Vianden wird auf das 13. Jahrhundert datiert

Im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut, verteilt sich der Großteil des Schlosses auf insgesamt drei Stockwerke. Die byzantinische Galerie und die obere Kapelle haben mich bei meinem Besuch völlig fasziniert. Der Säulengang mit seinen prächtigen Arkaden lädt den Wind ein, welcher uns durch die Haare fährt. Seine Öffnungen haben drei für die byzantinische Kunst typische Gewölbe. Von dort aus genießen wir grandiose Ausblicke auf die umliegenden Hügel. Und doch hält dieser Ort für jemanden wie mich, die ich Geschichte und Architektur liebe, noch so manche weitere Überraschungen bereit. Am Ende des überdachten Weges gelangen wir zu einer imposanten Kapelle, die bunt bemalt ist. Vor meinen Augen schmücken Rot, Ocker, Blau oder Weiß mal die Säulen, mal die Gewölbe oder die Wände, die zusammen einen perfekten, sechseckigen Raum bilden, dessen Ursprung auf das 12. oder 13. Jahrhundert zurück geht. Ich muss gestehen, dass ich mir das Mittelalter wirklich nicht so farbenfroh vorgestellt habe, obwohl die Kathedrale von Albi in Frankreich ebenfalls ein schönes Zeugnis dafür ist.

Die farbenfrohe obere Kapelle im Schloss Vianden - Pauline von Unloved Countries

Ein detailgetreu wiederhergestelltes Schloss

In der unteren Kapelle erfahren wir, dass die Bürger der Stadt dorthin kamen, um das Gebet zu hören. Sie hatten also Zugang zum Wohnsitz der Grafen! So konnten die Adeligen und die Einwohner den Gottesdienst besuchen, ohne auf einander zu treffen, jeder auf seinem eigenen Stockwerk. Ein Brunnen verband die beiden Räume, so dass die Stimme des Priesters gehört werden konnte. Dieses Kommen und Gehen der Bürger in der Burg dauerte bis zum Bau der Trinitarierkirche im Jahr 1248. Vianden war damals auf dem Höhepunkt seiner Blütezeit und die Bürger hatten nun ihr eigenes Gotteshaus. Während des restlichen Rundgangs durchqueren wir die Schlafzimmer, die Küche, den Rittersaal, den Festsaal und sogar den Weinkeller!

 

Aber dieses Schloss war nicht immer so prächtig. Eine Ausstellung im obersten Stockwerk erzählt uns, dass das gesamte Schloss zwischen 1978 und 1987 teilweise wieder aufgebaut wurde. Im 19. Jahrhundert verkauft und dann Stück für Stück abgetragen, verlor das Gebäude die meisten seiner schönen Räume und hatte kein Dach mehr! Das Dach ist komplett neu aufgebaut und einige Räume wie die byzantinische Galerie, das Grafenzimmer und die obere Kapelle wurden vollständig renoviert. Die Arbeit, die anhand von Plänen des Architekten Vauban und historischer Zeichnungen ausgeführt wurde, widmet sich in minutiöser Form der historischen Architektur des Ortes. Hier gibt es keinen Charme halb verfallener Schlösser! Denn das Schloss Vianden spielt in einer ganz anderen Liga. Ausnahmsweise müssen wir unsere Vorstellungskraft nicht benutzen. Die Schönheit der Burg, wie sie im Mittelalter war, liegt ganz einfach vor unseren Augen.

Das Schloss Vianden von seiner Befestigungsmauer aus gesehen - Pauline von Unloved Countries

Rundgang auf den Mauern der oberen Stadt

Aber das mittelalterliche Vianden existiert auch durch seine Stadtmauern. Ausgestattet mit Türmen, die einem offenen Schlund gleichen, umgibt ein imposanter Verteidigungswall die Oberstadt von Vianden und zeugt von der Existenz einer gewaltigen Festungsstadt am Fuße der feudalen Residenz. Die Stadt war im Mittelalter sogar die Hauptstadt der Grafschaft Vianden! Ein Landkreis, der nicht weniger als 136 Dörfer umfasst und eine Fläche einnimmt, die der des Herzogtums Luxemburg entspricht.

 

Wir setzen unsere Erkundung fort, indem wir den an die Mauer angrenzenden Weg nehmen. Er ist angenehm zu gehen und lässt uns einen Blick auf die Hinterhöfe und Gärten der Einwohner erhaschen. Außerdem hat man von dort eine der schönsten Aussichten auf die Burg. Die Mauer fällt dann fast bis zum Fluss hinunter, bevor sie vor der Gasse zur "Brasserie des Arts" in der Nähe der Brücke endet. Einst bestand die Mauer aus 24 Türmen und fünf Toren. Diese sind alle verschwunden.

 
Unterhalb des Schlosses machen wir einen Umweg über den Hockelturm, der einst an den Verteidigungswall angeschlossen war. Er wurde 1603 erbaut und ist ein echter Wachturm, der im Gegensatz zu den anderen Türmen bewohnt werden konnte. Heute dient er als Glockenturm.

Der begehbare Verteidigungswall der Oberstadt - Pauline von Unloved Countries

Die Kirche der Trinitarier und ihr Kreuzgang

Nachdem wir an der Mauer entlanggegangen sind und uns von den geschichtsträchtigen Orten verzaubert haben lassen, beenden wir unseren Besuch in der Kirche der Trinitarier und ihrem Kreuzgang in der Mitte des Dorfes.

Als wir das Gebäude betreten, erwartet uns gedämpftes Licht und Stille. Es herrscht eine edle Atmosphäre, was vielleicht auf die Rokoko-Dekoration der Kirche zurückzuführen ist. Ein großer grabähnlicher Block steht auf dem Gang vor dem Altar. Es ist die Ruhestätte der letzten Nachfahrin der Grafen von Vianden, Marie de Spanheim (1400). Neben ihrem Grab befindet sich der ehemalige Kreuzgang, der jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die schönste Aussicht in Vianden

Wenn schon die Aussicht von der Burg aus grandios ist, muss man nur etwas mehr klettern, um die befestigte Stadt als Ganzes zu bewundern. Am zweiten Tag unseres Besuches kaufen wir Fahrkarten um € 5,50 für eine Hin- und Rückfahrt mit der örtlichen Seilbahn. Hierbei handelt es sich um den einzigen solchen Lift in ganz Luxemburg.

Dieser überspannt die Stadt, schwebt leise über die Hauptstraße auf den Hügel, der die Burg auf 440 Metern Seehöhe überragt! Oben angekommen gönnen wir uns erstmal einen Drink. Der Blick über das Dorf ist atemberaubend und die Sonne strahlt uns dermaßen entgegen, dass wir mit sonnengeröteten Wangen abreisen.

Blick auf Vianden von der Bergstation der Seilbahn - Pauline von Unloved Countries

Am Flussufer der Our

Im Anschluss an einen gemütlichen Spaziergang durch das Dorf sammeln wir entlang des Flusses Our neue Kräfte. Wir beobachten Enten und ihre Jungen auf der Suche nach Nahrung und sehen sogar einen Eschenreiher, der auf einem Baum sitzt und uns beobachtet!

Ein Museum über den Autor von "Les Misérables"

Wie ich bereits anfangs erwähnte, schwebt die Seele eines berühmten Schriftstellers über diesem kleinen Dorf in den luxemburgischen Ardennen: die von Victor Hugo nämlich! Der französische Schriftsteller hielt sich während seines Exils einige Monate in Vianden auf und unternahm mehrere Reisen in das Herzogtum Luxemburg. Heute kann das von ihm bewohnte Haus besichtigt werden. Es befindet sich neben der Brücke, in der unteren Stadt.

Während seiner verschiedenen Aufenthalte soll Victor Hugo etwa fünfzig Gedichte geschrieben und an die sechzig Zeichnungen angefertigt haben. Das in ein Museum umgewandelte Haus zeichnet die wenig bekannte Geschichte des Autors nach, der sich 1851 gegen den Staatsstreich von Louis-Napoleon Bonaparte stellte. Der Schriftsteller ging für fast 19 Jahre ins Exil! 

Ich möchte auch so etwas erleben!

 

Vianden, Luxemburg

Die Adresse des Schlosses:

Montée du Château, 9408 Vianden (Luxemburg) 
Tel.: +352 83 41 08 1
www.castle-vianden.lu

 

Eintrittspreise und Öffnungszeiten
Erwachsene: €7
Kinder über sechs Jahre: €2
Studenten (13-25 Jahre, mit Ausweis) : €4,50
Senioren (65+): €5

Von Montag bis Freitag von 09.00 bis 17.00 Uhr geöffnet 
An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. 

Kleine Reisetipps von mir

 

Wir haben mehrmals im Restaurant "Zum Alten Kino" (L'Ancien Cinema) gegessen, das im Vergleich zu den etwas teureren Restaurants entlang des Flusses (wahrscheinlich wegen der Aussicht) eine Auswahl günstigerer Gerichte anbietet. Es ist wie ein Kino dekoriert, und Ihr habt sogar die Möglichkeit, mit einem Film Eurer Wahl zu kommen und diesen im hinteren Teil des Restaurants anzuschauen! Bücher über das Kino sind im ganzen Restaurant verstreut und sogar die Speisekarte ist in den Farben der Siebten Kunst gehalten.
Für die Liebhaber der Ardenner Wurstwaren gibt es auch einen Laden, den Ihr nicht verpassen dürft, gleich neben dem Victor-Hugo-Museum. 
Wenn Ihr mit dem Wohnmobil unterwegs sind, so findet Ihr hier einen der schönsten Stellplätze in den Ardennen. Er liegt am Flussufer, weniger als einen Kilometer von Vianden entfernt. Von dort genießt Ihr einen Blick auf den Fluss und die umliegenden Hügel sowie auf die Burg, die den Hügel zu Eurer Rechten überragt. Ein wunderbarer Ort. Die Nacht kostet 15 Euro. Duschen, WC-Anlagen und Strom sind vorhanden (Strom ist extra zu bezahlen).
Ihr habt natürlich auch die Möglichkeit, in einem der Hotels im Stadtzentrum zu übernachten. Darunter befindet sich das Hotel von Victor Hugo direkt gegenüber dem gleichnamigen Museum.