Richard Mignolet, Genuss der Ardennen

Jede Mahlzeit ist eine Überraschung, jeder Bissen erzählt die Geschichte, von der Leidenschaft und dem Knowhow der Leute dieses Zipfels der Ardennen.

Genuss ist ardennisch

Ich lerne Richard Mignolet in der Bar des Parks in Gibier de Saint-Hubert kennen. Er empfängt mich wie bei sich daheim, als ob jedes abgefallene Blatt zur Dekoration seines Hauses gehört: die Straßen sind sein Flur, die Felder die Fenster, die Leute seine Familie. Die Ardennen und er sind eine dieser unerklärlichen Liebesgeschichten, wie die, in denen man sich bis zum Tod treu bleibt.

5 min. Auszeit

Der Lütticher verbrachte hier, bis zu seinem endgültigen Umzug, jede Ferien. Seitdem knüpft er Freundschaften und erfüllt die Region Saint-Hubert mit Liebe, gesundem Menschenverstand und Stolz. Das lese ich aus ihm bei unserem Gespräche zwischen ein paar Schlucken Kaffee und familiäre Witze mit dem Kellner heraus.

 

Für Richard bedeutet die Ardennen zu verstehen, ihre Geschichte und Kultur zu verstehen und sie in Körper und Geist übergehen zu lassen. Er nimmt mich also auf eine für meinen Gaumen köstliche Entdeckungsreise der Region Saint-Hubert mit. Gemeinsam hecken wir ein besonderes Menü aus: das Picknick der Einheimischen.

Beim Freizeitangebot „Ardenne Plaisir“ (zu dt. Genuss der Ardennen) bietet Richard geführte Gruppenspaziergänge an, die von einem Picknick oder Grillmenü aus lokalen Produkten begleitet werden. Er verarbeitet mehrere Themen wie den Wald, das Terroir und das Kulturerbe und bietet außerdem Spiel und Spaß wie die Hexenjagd an. Für Richard liegt die Essenz im Kennenlernen und dem Hervorheben der Schönheit und des Knowhows seiner Wahlheimat.

 

An der Seite von Richard fühle ich mich wie die entfernte Nichte, die bei der Familie zu Besuch ist. Er stellt mich seinen Freunden, den Erzeugern und Selbstanbauern vor, wie Eltern es tun: begeistert und herzlich.

Platz am Tisch der Champions nehmen

 

Der Tag beginnt wie eine Schnitzeljagd: wir betreten durch die Hintertür die Werkstatt von Denis Colin, dem Metzger mit Eigenproduktion. Ein langer dunkler und mysteriöser Flur führt uns zu einem sorgfältig vorbereiteten Esszimmer, in dem uns Denis mit einem lokalen Bier, dem Saint-Hubert, empfängt. Um 10:30 Uhr ist das Restaurant des La Table des Champions noch leer, aber später wird es sich mit Liebhabern traditioneller Küche und über dem Feuer Gegrilltem aus frischen Produkten füllen. Eine Borquin, Pipe d’Ardenne und eine Pastetevon Saint-Hubert: unser Korb nimmt schon Gestalt an.

Die Borquin ist eine regionale Wurstspezialität. Sie wurde im Zuge der Weltausstellung von 1958 in Brüssel von der Metzgerzunft von Saint-Hubert kreiert und gehört zu unserer Freude zum lokalen Kulturerbe.

Käse Saint-Hubert

Der Käse appelliert an die Freiheit

 

Unser Einkauf geht in der JVA von Saint-Hubert weiter. Dieser große Bauernhof hat nichts von einem Gefängnis. In der geöffneten Anstalt werden hauptsächlich Häftlinge zum Ende ihrer Haftstrafe untergebracht: ein sanftes Verfahren, bei dem der Kontakt mit Tieren und der Natur die Reintegration dämpfen und vereinfachen soll. Die Milchkrise 2009 ist der Entstehungsgrund dieser kleinen Käserei, in der Butter, frischer Käse und gechesterten Käse wie Weichkäse und Eis. Wir verlassen den Laden mit ein paar Gaumenfreuden aus Knoblauch und Kräutern, die unseren Korb köstlich zum Duften bringen.

Isabelle Heusden hat sich nach der Milchkrise an Ort und Stelle zur Käseherstellerin ausgebildet. Sie und ihre Kollegen bilden sich ständig weiter, und das ermöglicht ihnen von Jahr zu Jahr ihr Angebot in der Verkaufstheke mit neuen Kompositionen zu vergrößern.

Im Long Pré mit unseren tierischen Freunden

 

Sophie Deger empfängt uns im Long Pré, später kommt ihr Mann Jonathan Rifon, ihre Enkelin und ein Haufen Hunde jeglichen Alters und Temperaments. Sie sind von ganz alleine zur Zucht ihrer hübschen Schafe aus Entre-Sambre-et-Meuse gekommen: Tierliebe, weite Flächen, und gesagt getan. Im Long Pré herrscht Liebe und Frieden, Geheimzutaten für die Pasteten, Apfelsaft und andere lokale Spezialitäten.

Sophie und ihre Schafe. Ihr Lieblingsschaf Nr. 904 ist ganz besonders wählerisch. Im Hintergrund erholen sich die Überlebenden einer Hühnerfarm ohne Feingefühl dank der guten Pflege der Familie.

Geduld und Natürlichkeit üben

 

Wie die Zeit mit diesen netten Begegnungen vergeht! Wir kommen spät bei Didier Leurquin an, dem Gärtner an der Quelle zu unserem Herzstück des Picknicks: einer sämigen, reichhaltigen Gemüsesuppe. Er erklärt uns die Permakultur in allen Details, einer natürlichen Zucht, die es erlaubt, große Mengen auf kleinem Platz anzubauen (z.B. ganze 350kg Kartoffeln nur dank 150m² Erde und einer Plane).

Richard fragt mich, was ich von unserem gemeinsamen Tag halte. Na, ich will sofort umziehen und nie wieder etwas in einer Supermarktkette kaufen! Richard hat die Gabe uns das wirklich Wichtige zu zeigen: die guten Dinge des Lebens!

Die Kürbispflanze breitet sich am Boden aus und begünstigt so die Feuchtigkeitskonservierung, die wiederum das Maiswachstum fördert. Der Kürbis wiederum profitiert vom Schatten der Maispflanzen.

Ardenne Plaisir

Genuss serviert

 

Die Essenszeit naht und wir marschieren Richtung Wald von Saint-Hubert, wo ein Rastplatz mit Ausblick auf uns wartet. Richard wirft den Grill an und erhitzt die Suppe von Didier Leurquin. Wir richten alles wundervoll unter den Sonnenstrahlen des hinreißenden Herbstes an. Jede Mahlzeit ist eine Überraschung, jeder Bissen erzählt die Geschichte, von der Leidenschaft und dem Knowhow der Leute dieses Zipfels der Ardennen. Wir stoßen an auf das Leben, das notwendige Zurück zur Natur und dann, ganz einfach, auf den Genuss.

ERLEBT ES SELBST
Ardenne Plaisir - Richard Mignolet
+32 (0)4985 73708
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http://www.ardenneplaisir.be/