Traumhafter Ausblick auf die Maas von Huy aus gesehen

Ich habe in Belgien zum ersten Mal Wein gelesen!

Eine Weinlese bedeutet Sportlichkeit und Genuss gleichzeitig!

Ich habe in Belgien zum ersten Mal Wein gelesen!

1 sportlicher tag

Und dies auf dem Familienweingut "Closerie des Prébendiers". Dieses Weingut liegt in Huy in der belgischen Provinz Lüttich. So eine Weinlese geht ganz schön in die Oberschenkel, und wir konnten die Weingärten der Winzerfamilie Mouton, einem der 23 Winzer der Provinz, für uns entdecken. Am nächsten Tag setzen wir unsere Entdeckung der Weine der Region fort, indem wir Joël Petithan in Hamoir besuchen. Sein kleines Stückchen Land brachte ihm einen Ruf ein, der dem König von Belgien direkt zu Ohren kam!

Mein erstes (sportliches) Mal Wein lesen

Es ist wohl nichts Neues: Weinlesen ist eine ziemlich anstrengende Tätigkeit...vor allem bei der Winzerfamilie Mouton. Wenngleich sich deren Weingärten nicht bis zum Horizont erstrecken, so sind die Terrassen, auf denen die Rebstöcke gedeihen, doch sehr steil. Die insgesamt 1100 Weinstöcke befinden sich auf einem Hang mit fantastischen Blicken über das Flusstal der Maas. Obwohl ich mich gleich zu Beginn der Lese in die Landschaft verliebe, so weiß ich doch, dass sich mein Körper schon nach wenigen Stunden beschweren wird. Weil wie so viele Menschen bin auch ich eher der Typ, der Wein verkostet, und ihn nicht unbedingt erntet!

Weinlese in der Riede "Clos des Prébendiers"

Mein erstes Mal bei der Weinlese ist ein wahres Heldenepos!

Nachdem sämtliche Lesehelfer sich untereinander kennen gelernt haben, bewaffnet sich unser Weinlese-Team mit großen Scheren und Plastikbehältern und teilt sich dann in die verschiedenen Weingartenzeilen auf. Die Sonne knallt herab an diesem recht heißen Septembertag. Weinstock für Weinstock versuchen wir, keine der unter den Blättern verborgenen Trauben zu vergessen. Wir ernten zuerst kleine Mengen des Grauburgunders, dann den Müller-Thurgau und den Auxerrois. Das Weingut produziert ausschließlich Weißwein. Mehrere Weinstöcke haben unter der Hitze des Sommers gelitten, und etliche Trauben sind von der Sonne völlig verbrannt. Die Unwägbarkeiten eines Berufsstandes, der von unsichereren Wetterbedingungen abhängig ist.

Weinlese in der Riede "Clos des Prébendiers"

Meine Hände sind klebrig von Zucker und Saft, schnell bemerke ich auch Blasen von der Handarbeit. Die Atmosphäre ist sehr herzlich, die etwa zwanzig Personen die bei der Lese mithelfen kennen sich bereits mehr oder weniger gut. Freunde der Familie und junge Erntehelfer sind hier vertreten, von denen einige jedes Jahr wiederkommen, um Jacques bei der Lese in seinen Weingärten zu helfen.

Die Rieden erscheinen wie Stockwerke mit Stufen dazwischen

Nach einem guten Mittagessen, bei dem wir auch ein wenig Wein verkosten, geht es auf in die zweite Runde. Unsere Schritte sind nun ein wenig unsicherer als noch am Vormittag. Der Alkohol, die Sonne und der einsetzende Muskelkater in den Oberschenkeln versprechen einen langen Nachmittag. Die Weingartenzeilen wirken in meinen Augen wie echte Treppen mit mehreren Stockwerken, die wir immer wieder auf und ab gehen. Na ja, fast. Um 16 Uhr nachmittags gestehe ich lachend meine Niederlage ein, lege mich vor Erschöpfung auf den Boden und rühre mich nicht mehr!

Vom Rebstock zum Wein...

Interessiert sehe ich zu, was mit den Weintrauben passiert, nachdem wir sie geerntet haben. Jacques und seine Freunde füllen die Traubenpresse unermüdlich. Im Minutentakt verschlingt die Maschine große Mengen reifer Trauben. Die Presse trennt die Traubenstiele von den Beeren, der erste Saft entsteht.

Sobald alle Trauben von den Stielen getrennt sind, werden diese im Becken zerkleinert und in zwei Pressen aus Eichenlatten gegossen. Die Winzer gewinnen den Traubensaft am Boden der Presse. Dieser wird dann gesiebt und für die Vergärung des Traubenmostes in riesige Fässer umgefüllt. Jacques Mouton produziert etwa 1100 bis 1200 Flaschen pro Jahr. Diese Saison entwickelt sich ziemlich gut, sagt er mir!

Die Traubenpresse

Plötzlich ist mitten am Nachmittag oben auf dem Grundstück ein gewaltiger Lärm zu hören. PAAAF! Eine der Pressen ist soeben durch den Druck einer Abdichtung explodiert. Glücklicherweise nähert sich das Ende des Tages, und der Unfall geht mehr oder minder glimpflich aus. Der größte Teil der Ernte ist bereits in die Fässer geflossen. Nachdem die letzte Trauben geschnitten, entstielt und gepresst sind, versammelt sich das erschöpfte Leseteam ein letztes Mal an diesem Tag, um den Aperitif einzunehmen. Wir verkosten die Cuvées vom letzten Jahr, einen erfrischenden Weißwein, der diesen sportlichen Tag perfekt ausklingen lässt. Den Abend verbringen wir in gemütlicher Runde mit Jacques und seiner Frau.

Ein belgischer Pinot Noir

Wir wollen die Provinz Lüttich nicht verlassen, ohne einen weiteren Winzer in Hamoir zu besuchen. Joël Petithan, seit 26 Jahren Busfahrer, ist in zweiter Instanz leidenschaftlicher Weinbauer und folgt der Tradition seines Vaters und Großvaters, die Weinbauern in Frankreich waren. 2010 tritt der Hobbywinzer in die Fußstapfen der Familie und beginnt mit der Pflanzung von 500 Reben in seinem Garten. Trotz der geringen Größe seines Weingartens (100 weitere Reben im Jahr 2019) kam der Erfolg sehr schnell.

Nach der Anstrengung die verdiente Pause!

Sein Engagement führte ihn 2016 zu einem Fernsehauftritt und sogar zu einem Treffen mit dem König von Belgien. Diesem hat er selbstredend drei Flaschen seines besten Weines angeboten! Zufrieden lacht Joël, dessen Markenzeichen ein markanter Schnurrbart ist, dass sein Wein sogar beim König Anklang fand. Eine Medaille jagt die nächste. 2015 wird sein Wein zum besten Rotwein Belgiens gewählt, 2016 ist er bester ausländischer Rotwein beim Winzerfest von Sigolsheim und 2019 verdient er sich eine Bronzemedaille der Provinz Lüttich.

Joël schwört auf Pinot Noir, seine Lieblingssorte deren Geschmacksvorliebe er von seinem Mentor Gérard Fusch, einem Winzer aus dem Elsass, übernommen hat. Bei Joël wird der Wein traditionell vergoren, ganz ohne Chemikalien. Man könnte sagen, er lässt rein den Zauber der Natur und sein Know-how als leidenschaftlicher Winzer arbeiten. Selbstverständlich haben wir vor Ort ein paar Flaschen gekauft. Der Jahrgang 2015, sein allererster, ist einfach hervorragend. Der Wein ist im Mund sehr fruchtig, nicht sehr tanninhaltig und leicht zu trinken. Mit Maß und Leidenschaft stoßen wir vergnügt an, um das Talent dieses belgischen Winzers zu würdigen!

Ich möchte auch so etwas erleben!

 

Weingut "Closerie des Prébendiers"
16 Thier des malades, 4500 HUY
Telefon: +3285211223 | Handy: +32486780534
Lesezeit: Ca. Mitte September
Ab-Hof Verkauf

 

 

 

Weingut "Domaine Vin des Crêtes" 
1, Rue de la Crête, 4180 HAMOIR
Handy: +32497929437
Besuch nach telefonischer Vereinbarung von Mai bis August
Ab-Hof Verkauf