Im Ardennenmuseum - Marion Guiot vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Ich habe das Ardennenmuseum und die place ducale in charleville-mézières besucht

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Marion - Chroniques d'une ardennaise

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Die Geburt einer Stadt erleben

Ich habe das Ardennenmuseum und die Place ducale in Charleville-Mézières besucht

1 Tag in der Marionettenhauptstadt

 

Die Ardennen sind voll von architektonischen Schätzen, die den Lauf der Jahrhunderte bezeugen. Eine der vielen Besonderheiten dieser Region ist es, Schätze aus nahezu jeder Stilepoche bewahrt zu haben. Das "Musée de l'Ardenne" (Ardennenmuseum) lässt Besucher jenen historischen und archäologischen Fundstücken nachspüren, die das Gebiet über viele Jahre geprägt haben. Das Museum eröffnet mir weiters einen Blickwinkel auf Charleville-Mézières als Marionettenhauptstadt, welche ich schon seit langem kennen lernen möchte.

Das Ardennenmuseum in Charleville-Mézières - Marion Guiot vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Tauchen wir ein in die Geschichte der Ardennen

Um zum Ardennenmuseum zu gelangen, muss man fast zwangsläufig die mysthische Place Ducale überqueren. Erst wer unter ihren Bögen hindurchgeht, gelangt weiter in den Museumshof. Hier könnt Ihr die Geschichte der Region durch Ausstellungen aus den Bereichen Archäologie, Kunst, technisches Know-how oder durch die Entwicklung der Volkstraditionen im Laufe der Jahrhunderte nacherleben. Das Gebäude selbst ist Teil des Museums, denn es führt uns durch vier Jahrhunderte architektonischer Entwicklung, vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

 

Archäologische Fundstücke im Ardennenmuseum - Marion Guiot vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Der Besuch beginnt erwartungsgemäß mit einer Reise in die Vergangenheit. Wie ein Archäologe müssen wir in den Keller gehen, um jene Schätze zu bewundern, die bei archäologischen Ausgrabungen gefunden worden sind. Wir sehen vor allem Fundstücke primitiver Kunst, Gravuren beispielsweise, die mehr als 12.000 Jahre alt sind - ähnlich den Fresken in den Höhlen von Lascaux. Ein Stück weiter ist ein imposanter Mammutknochen in einer Vitrine ausgestellt. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass dieses Tier vor Tausenden von Jahren auch hier, im Herzen der heutigen Ardennen, gelebt hat. Je weiter man durch das Museum geht, desto weiter geht man in der Zeit zurück. Beim Spaziergang durch die Epochen erfahren wir mehr über die Alltagsgegenstände und Bräuche unserer Vorfahren.

Nachdem wir erneut ins Erdgeschoss zurück gegangen sind, bleiben wir vor einer riesigen bemalten Wand stehen. Es handelt sich um ein gallo-romanisches Fresko, das aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus stammt und eine Fläche von mehr als sieben mal vier Metern einnimmt! Tatsächlich wurden nur einige Fragmente davon gefunden: Wir erfahren, dass Archäologen 1999 bei einer Ausgrabung in Monty-Saint-Pierre einzelne Teil gefunden und sich daran gemacht haben, es nach und nach zu rekonstruieren. Im angeschlossenen Auditorium beginnt eine interessante Präsentation, die sich über die Oberfläche der Überreste legt: Mittels eines eigens konstruierten Videomappings können wir uns besser vorstellen, wie das Fresko einst ausgesehen haben muss, als es in den gallo-romanischen Bädern prangte. Zudem erfahren wir hier, wie es wohl auch aufgetragen wurde. 

Der nächste Raum ist der Merowingerzeit gewidmet, mit zahlreichen Gläsern, Glasschmuck, Gefäßen und Geschirr aus eben jener Zeit.

Während wir weiter durch die Säle wandern, gleite ich Stück für Stück durch die Geschichte der Stadt Charleville. Ihre Gründung geht zurück auf Charles de Gonzague, den Herzog von Nevers und Cousin zweiten Grades von König Henri IV. Ich erfahre mehr über den Bau der Place Ducale von Clément Métezeau und lerne dabei, warum sein Herzogspalast nie das Licht der Welt erblicken durfte. Die Place Ducale, erbaut zwischen 1606 und 1624, hat viele Ähnlichkeiten mit ihrer älteren Schwester, der Place des Vosges in Paris, die nahezu zeitgleich errichtet wurde. Beide Architekten waren Brüder, was ihre auffällige Ähnlichkeit durchaus weiter erklärt.

Ein Modell der Stadt Charleville im Ardennenmuseum - Marion Guiot vom Blog "Chroniques d'une ardennaise"

Man kann im Ardennenmuseum auch eine beeindruckende Waffensammlung bewundern, die auf eine in Charleville im Jahr 1675 gegründete Waffenfabrik zurückgeht. Auch die Rekonstruktion der Krankenhausapotheke von 1756 ist bemerkenswert. Weiter geht es in die Neuzeit und dann in unsere heutige Zeit. Im obersten Stockwerk findet man mehrere Räume zum Thema der Marionetten und Puppenspieler. Charleville-Mézières gilt als Welthauptstadt des Marionettentheaters. Mehr als 500 Marionetten können wir hier bewundern, darunter das Schneewittchen von Géo Condé, dem Meister von Jacques Félix der gleichzeitig das Weltfestival für Marionettentheater ins Leben gerufen hat. Es ist ein sehr spielerischer Raum, in dem Kinder Zeichnungen anfertigen und für ein paar Minuten zu Puppenspielern hinter einem chinesischen Schattentheater werden können. Auf dieser Etage haben wir einen Blick auf einen riesigen, mehrere Meter hohen Puppenspieler, dessen gesamte Mechanik vom Museum aus zu sehen ist.

Hast Du diesen riesigen Puppenspieler gesehen, er hat sich bewegt!

Der Große Puppenspieler

Der fast zehn Meter hohe Puppenspieler vor dem Ardennenmuseum ist in Wahrheit eine automatische Uhr. Von zehn bis einundzwanzig Uhr erzählt er in zwölf Tafeln die Legende von den vier Aymon-Söhnen. Kurz vor 15.00 Uhr lassen wir uns vor der riesigen Statue nieder und warten darauf, dass das Spektakel beginnt! Drei Klänge ertönen, dazu ein wenig Musik und schon verkündet der Puppenspieler mit seiner tiefen Stimme: "Edle Damen und Herren, freundliche Fräulein, es ist drei Uhr". Dann bewegt der Puppenspieler seine Hände, an deren Enden die Marionetten hängen, die die vier Aymon-Söhne darstellen. Ein paar Minuten lang lauschen wir gebannt der Erzählung dieses Riesen, dann erklingt eine neue Musik und schon ist die Vorstellung wieder zu Ende. Wir müssen in einer Stunde wiederkommen, um die magische Show erneut zu genießen.

Das Ardennenmuseum und die Uhr des Großen Puppenspielers - Charleville-Mézières - David Truillard www.images-en-plus.fr

Vier ist die Goldziffer in Charleville!

Place Ducale - Charleville - Marion Guiot - Chroniques d'une ardennaise

Die Geheimnisse der Place Ducale

Noch einmal durchqueren wir den Innenhof des Ardennenmuseums, um zur Place Ducale zruück zu gelangen und dem Herzstück der Stadt seine Geheimnisse zu entlocken. Charleville ist eine "neue" Stadt, die nur 400 Jahre alt ist. Ganz anders Mézières, das seit mehr als 1000 Jahren existiert. Wir betrachten die vier Ecken dieses Platzes, dessen gelbe Steine in der Sonne golden glänzen. Dabei fällt uns die perfekte Symmetrie auf. Die Zahl vier ist überall präsent: In der Anzahl der Pavillons pro Seite, aber auch in der Anzahl der Straßen, Arkaden oder sogar der Fenster pro Pavillon.

Kein Detail scheint hier dem Zufall überlassen worden zu sein. Als wir uns den Pavillons nähern, können wir kleine, in den Wänden versteckte Statuetten erkennen. Diese Statuetten mit Heiligenfiguren sollten einst die Stadtteile hinter den vier Ecken des Platzes ankündigen. Hier muss man sich die Zeit nehmen, nach oben zu schauen und sich all der kleinen architektonischen Details bewusst zu werden. In der Mitte des Platzes angekommen, erwartet uns schließlich der berühmte Glockenturm der Place Ducale. Ein paar Dutzend oder besser gesagt Hundert Stufen später sind wir oben angekommen und genießen diesen atemberaubenden Blick auf die Stadt, welche wir kurz zuvor noch durch ganz andere Augen gesehen haben.

Ich möchte auch so etwas erleben!

Ardennenmuseum (Musée de l’Ardenne)
31, place Ducale
8000 CHARLEVILLE-MEZIERES, Frankreich
Tel.: +33 324 32 44 60
Nähere Informationen auf der Webseite
reservations.musees@mairie-charlevillemezieres.fr