Die Auerochsen in Han-sur-Lesse

Ich bin auf dem Fussweg der Tropfsteinhöhlen von Han-Sur-Lesse marschiert

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Jonas Mossiat

Mitglied seit 3 Jahre 2 Monate

Sohn der Maas
Food & Terroir

Dank des Regens konnten wir die Tiere umso freier und ungestörter betrachten

Ein weg, um die typische Tierwelt Europas kennen zu lernen

             Es regnet in den Ardennen: Was tun? Ich kann Euch einen fünf Kilometer langen Fußweg durch die Wälder von Famenne, in der Nähe der Tropfsteinhöhlen von Han empfehlen. 

 

5 Minuten raus aus dem alltag

Ein Muss in den Ardennen: Der Besuch des Tierparks und der Tropfsteinhöhlen von Han-sur-Lesse mit seinem zwei bzw. fünf Kilometer langen Wanderweg lässt uns die klassischen "Big Five" sowie weitere, typische Tiere der europäischen Tierwelt erleben. Der bedrohlich wirkendende, wolkenverhangene Himmel an diesem Sonntag im Mai hat die Suche nach den Tieren interessanterweise um einiges einfacher gemacht. Kommt mit auf ein Safari-Abenteuer in den Ardennen!

 

Noch sind wir ein wenig zögerlich. Ein leichter Regen zieht sich über das Land, als Julien und ich an diesem Sonntag Morgen aufwachen. Wenngleich das Wetter nicht berauschend ist, so ist unsere Lust auf ein Abenteuer noch stärker. Nach dem Morgenkaffee festigen wir unseren Entschluss aufzubrechen. Ich bereite das Picknick vor und packe auch noch zwei Flaschen Chouffes-Bier mit ein, während Julien regenfeste Schuhe und Jacken im Auto vorbereitet. Schließlich fahren wir los in Richtung Han-sur-Lesse über die Straßen der Famenne, während der Nebel uns grüßt und der Tau glitzert.

 

 

 

Schon kurz nach unserer Ankunft sind wir froh, hergekommen zu sein. Die Ankündigung des trüben Wetters hat weit weniger Besucher angelockt als gedacht. Am Beginn des Wanderweges, den wir über eine kurze Fahrt mit einem kleinen Zug erreichen, sind wir gar die einzigen weit und breit. Der feuchte Wald verströmt einen herrlichen Duft nach Holz.

Auf den Straßen der Famenne - J. Mossiat
Wir nehmen einen kleinen Zug entlang einer aufgelassenen Eisenbahnstrecke - J. Mossiat

Regen im Frühling: Eigentlich ideal!

Schon nach kurzem Marsch entdecken wir einige Rentiergeweihe. Das Personal an der Rezeption hat uns versichert: Wer den Besuch des Tierparks von Han-sur-Lesse auch bei Schlechtwetter in Kauf nimmt, dem kann nahezu garantiert werden, dass man die Tiere auch wirklich sieht. Denn während der heißen Sommertage bevorzugen diese logischerweise den Schatten des Waldes und sind daher nicht so leicht erkenntlich, wie für uns an diesem verregneten Frühlingstag...

Für den Frühling als Besuchszeit spricht auch, dass zu dieser Zeit die Tierbabies geboren werden. Wir können den Besuch daher nur empfehlen! Bei der Rentierherde, die vor uns grast, entdecken wir zwei ausgelassene Jungtiere, die bereits mit ihrer Mutter herumtollen. Die Wanderung startet also vielversprechend.

Auf dem Fußweg sind es die Rentiere, die wir als erste Tiere entdecken - J. Mossiat
Selbstverständlich wird diese erste, besondere Begegnung auch aufgenommen - J. Mossiat

Entlang des rund zwei Kilometer langen, leichten Fußweges durch den Wald informieren zahlreiche Info-Tafeln über die Geschichte des Tierparks und die Tiere in der Umgebung. Seltene und weit verbreitete Arten, alle heimisch, sind hier zu sehen: Eulen und selbst Wildschweine, die in einiger Entfernung den Boden aufwühlen. Die Aussichtspunkte auf Fauna und Flora sind einfach großartig. Trotz des einfallenden Nebels können Julien und ich von dem Felsvorsprung auf dem wir stehen die Auerochsen in der Ebene vor uns in Ruhe grasen sehen. Nicht alle sind ruhig, aber das werden wir später noch sehen!

Morgennebel zieht sich über die Ebene - J. Mossiat
Polarfüchse bei der Siesta - J. Mossiat
Dank verschiedener Stege zwischen den Baumwipfeln können wir das Gehege der Polarfüchse von oben betrachten - J. Mossiat

Ein Stück weiter finden wir Stege zwischen den Bäumen, die uns ein wenig an Höhe gewinnen und uns eine der niedlichsten Spezies der Domäne beobachten lassen: Die Polarfüchse. Jackson, Speedy und Tjarek machen zwar gerade ein Nickerchen, als wir vorbeikommen, aber ... man kann nie wissen! Ich bin überzeugt, dass Jackson, der grauer ist als seine Geschwister, seinen Vornamen kennt. Die Ohren im Wind gespitzt, schaut er amüsiert zu uns auf als wir seinen Namen rufen. Geboren im Jahr 2018 wirken die drei Youngster neugierig und verspielt. Wir erfahren, dass Speedy, das Weibchen, bis zu zehn Junge pro Wurf haben kann. Wow!

Beim Gang über die Stege sind wir vorsichtig, denn der Regen hat diese ein wenig rutschig gemacht. Der Blick auf die Famenne-Ebene aus fünf Metern Höhe ist sagenhaft. Großartig, einen Teil des Weges in luftige Höhen verlegt zu haben! Hier ist jeder, ganz egal ob Groß oder Klein, vergnügt unterwegs.

 

Schließlich nähern wir uns dem bekanntesten der "europäischen Big Five": Dem Wolf! Ahoouuuuuuu!

Der große, "böse" Wolf

Die Wölfe sind ganz nah! - J. Mossiat

Der erste der "Big Five" und kein bisschen leise: Der Wolf!

 

Wir sind überrascht, dass das Rudel nur ein Weibchen bei sieben Männchen zählt. Ein Mitarbeiter wird uns später erklären, dass es sich um ein neu zusammengestelltes Rudel handelt. Dabei führen ein dominantes Männchen und sein Sohn, ein "Möchtegern-Häuptling", das Rudel an. Gemessen an der Haltung in Gefangenschaft ist das Gehege der Wölfe zwar groß, aber dennoch nicht ideal für ein Tier, das in freier Wildbahn unglaublich weite Strecken zurücklegen kann. Infolgedessen nimmt die Anzahl der Wölfe leider kontinuierlich ab. Von ursprünglich elf Wölfen sind es jetzt nur noch acht. Von Zeit zu Zeit brechen auch Kämpfe aus, die für die Schwächsten tödlich sein können.

Julien fällt auf, dass viele Wölfe mit eingezogenem Schwanz herumlaufen. Dies sind die Mitglieder des Rudels, die sich dem Anführer unterworfen haben. Die Informationstafeln sind ausgesprochen praktisch.

Weite Ebene mit Zwerghirschen - J. Mossiat
Kampf um die Karotte unter Murmeltieren - J. Mossiat
Wir beobachten die Murmeltiere, ohne uns allzu sehr zu zeigen - J. Mossiat

Nach dem Wolfsgehege eröffnet sich uns eine Ebene voller "Sikas", einer Art Zwerghirsche. Plötzlich ist ein Geräusch zu hören... zwei fröhliche Murmeltiere, die beschließen, vor uns ein wenig zu prahlen. Dabei zeigen sie uns alle ihre Zähne (gelb!) und wir antworten mit einer Zurschaustellung unserer Armmuskeln... eine Weile zumindest. Dann ist der Ruf der Karotte lauter, und die Tiere kehren zu ihrer Futterstelle zurück. 

Die Jungtiere sind so süß!

Langsam wird es Zeit für ein Picknick. Das Tivoli, ein ehemaliger Bahnhof, ist dafür perfekt geeignet. Fast schon tut es uns leid, etwas vorbereitet zu haben, denn das vor Ort angebotene Bagnatbrot duftet herrlich. Das Biersortiment sieht auch verlockend aus... Eine freundliche Dame teilt uns mit, dass in der Ebene schon ein sogenanntes Safari-Auto auf uns wartet. Und zwar ganz für uns allein! Denn es sind immer noch keine Besucher in Sicht, die das elektrisch betriebene Gefährt mitbenutzen würden. Wir haben wirklich Glück, beenden unsere Chouffe-Biere und laufen weiter zum Rudel der Polarwölfe.

Nur rund hundert Meter vom Tivoli entfernt liegt das das Gehege der Polarwölfe zwischen Bäumen und Höhlen. Hier erwarten uns zwei verschiedene Beobachtungsbereiche. Die erwachsenen Wölfe sind mit ihrem hellen Fell leicht zu erkennen. Zu unserer großen Freude tummelt sich auf ihren Pfoten eine Schar kleiner grauer Haarbällchen! Die Jungtiere spielen und rennen herum, aber nie weit weg von ihren Eltern. Das ist eine große Premiere für uns, und wir genießen die Beobachtung in aller Ruhe, während das Lächeln auf unseren Gesichtern wächst. Was für ein Spektakel! Nach einer Viertelstunde beschließen wir, zum Safari-Auto zurückzukehren und weiterzufahren.

Polarwölfe mit ihrem neuen Wurf auf dem Areal der Grotten von Han - J. Mossiat

Anstatt mit dem Safari-Auto könnt Ihr den Weg in der Ebene auch zu Fuß fortsetzen. So könnt Ihr eine größere Anzahl von Tieren sehen und Euch vor allem ganz in Ruhe Zeit nehmen. Da wir an diesem Tag das Safari-Auto jedoch ganz für uns alleine haben, ergreifen wir die Gelegenheit weiterzufahren, um noch die berühmten Höhlen von Han-sur-Lesse zu besichtigen und vor allem die neue Ton- und Lichtshow zu sehen, die ich noch nie zuvor gesehen habe.

Weitere, europäische Big Five der Ebene: Das Bison, der Luchs, der Bär

Unsere Betreuerin führt uns weiter entlang der Ebene im Park: Wir können Geier, Störche, Luchse und überall Auerochsen sehen. Aber ... galt der Auerochse nicht eigentlich als ausgestorben? Ja, schon im Jahr 1623, erklärt sie uns. Heute stehen wir vor einer genetisch rekonstruierten Spezies, fügt sie hinzu. Als wir sie friedlich in der weiten, feuchtgrünen Ebene grasen sehen, überkommt uns ein freudvolles Gefühl. Auch in diesem Jahr wurden einige Kälber mit hellbraunem Fell geboren. Ihre Hörner sind beeindruckend groß. Wenn sie sich frei in der Ebene bewegen, nähern sie sich selten Besuchern. Zwischen den Auerochsen grasen Steinböcke, Rehe und Hirschkühe. Sie beobachten uns, ohne sich wirklich um unsere Anwesenheit zu kümmern. Was für ein Glück!

Zwei Arten von Einhufern leben ebenfalls in der Ebene. Der Tarpan, eine ausgestorbene Spezies und, wie der Auerochse, genetisch nachgebildet, sowie das Przewalski-Pferd, dessen letzte Herde Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde. Seitdem und dank der Arbeit vieler Forschungszentren auf der ganzen Welt wurden die Herden in der Mongolei, wo sie herkommen, in halber Freiheit wieder angesiedelt, um diese Art zu retten.

Überall sind Auerochsen zu sehen! - J. Mossiat

Schön langsam gelangen wir zum Bärengehege. Im Rahmen der Safari-Tour ist es leider nicht möglich, die Esel richtig zu sehen. 

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs ist der Tierpark gerade dabei, drei weitere Braunbären zu begrüßen, eine echte Sensation. Sie werden in einem nagelneuen Gehege neben den beiden Bären Willy und Marlène untergebracht, die schon seit Jahren dort leben. Ein paar Wochen später nehme ich an der Einweihung teil, und habe es als ein richtiges großes Fest für den Park in Erinnerung.

Der Bär Marlène - J. Mossiat

So endet der Besuch des Tierparks, und wir widmen uns noch der Entdeckung der unglaublichen Höhlen von Han-sur-Lesse und der spektakulären Ton- und Lichtshow, die wir ebenfalls wärmstens empfehlen können. 

Egal ob mit der Familie, mit Freunden oder wie wir, als Paar: Das Erlebnis verzaubert alle. Auf dem Weg durch den Tierpark könnt Ihr die europäische Fauna in Eurem ganz eigenen Tempo entdecken und feststellen, dass sich die Tiere hier rundum wohlfühlen. Ganz egal, ob Ihr den gesamten Weg zu Fuß gehen möchtet, mit dem Elektro-Safari-Auto fahren oder beides kombinieren wollt: Hier ist für alle etwas dabei. Und ja, auch im Regen und bei entsprechender Ausstattung lohnt sich der Ausflug!

Eine spektakuläre Einweihung

Wie bereits gesagt hatte ich später auch Gelegenheit, an der spektakulären Einweihung des neuen Bärengeheges und an der Aufnahme der drei weiteren Jungtiere teilzunehmen. Nach einer bewegenden Rede von Brigitte Malou, der Verwalterin des Tierparks und der Tropfsteinhöhlen von Han, durften wir die neuen Bewohner beobachten! Was für ein Moment!

Die Neuzugänge im Bärengehege - J. Mossiat
Die Neuzugänge im Bärengehege - J. Mossiat
Die Neuzugänge im Bärengehege - J. Mossiat

Ich möchte auch so etwas erleben!

 

Tropfsteinhöhlen & Tierpark von Han-sur-Lesse
Fußweg durch den Park
Rue Joseph Lamotte 2, 5580 Han-sur-Lesse
Tel: 084 37 72 13
www.grotte-de-han.be

 

Öffnungszeiten

Hier geht es zur genauen Übersicht der gesamten Öffnungszeiten

 

Eintrittspreise

Der Eintritt für den Fußweg durch den Park, bzw. für die Fahrt mit dem Elektroauto, beträgt €23 für Erwachsene und €17 für Kinder. Das Kombiticket (inklusive Eintritt in die berühmten Tropfsteinhöhlen von Han-sur-Lesse) beträgt €33 für Erwachsene, sowie €24 für Kinder.