Zwischenstopp am Wegesrand, unterwegs zu unserem Zeltplatz im Wald von Saint-Hubert, von Pauline von Unloved Countries

Wir sind 54 Kilometer durch den Wald von Saint-Hubert gewandert

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Pauline - Unloved Countries

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Auf unbekannten Pfaden

Keine einzige Wasserstelle auf dem Weg

Wir sind 54 Kilometer durch den Wald von Saint-Hubert gewandert

2 Tage WEITWANDERN / 1 Zeltplatz

Für unser erstes Mal Zelten in freier Natur haben wir uns für einen Teil der Flussschleife "Zwischen Lesse und LHomme" entschieden, eine Route die insgesamt 78 Kilometer lang ist und mitten durch den Wald von Saint-Hubert führt. Ein ziemliches Abenteuer, wenn man bedenkt, dass wir komplette Neulinge im Weitwandern sind, aber nicht unmöglich. Trotz der brennenden Füße und des Muskelkaters erinnern wir uns gerne an unsere Zeit in einem der größten Waldgebiete Belgiens.

 

Eine Erfahrung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte

Wer 24 Kilometer am Tag gehen will, sollte sich dies gut überlegt haben. Das haben wir, denken wir, als wir vom Dorf Anloy aufbrechen, eines der Dörfer durch die unsere Wanderroute führt. Wo wir zunächst noch den Schildern entlang der Flüsse Lesse und L'Homme folgen können, benötigen wir für die Waldstücke unsere GPX-Daten auf der Uhr, die uns Julien vom Blog "Sentiers du Phoenix" geschickt hat! Erst wenige Monate zuvor hat Julien genau diese Wanderung unternommen. Los geht es also auf unserem ersten Teilabschnitt bis zum Campingplatz Bois du Bané, welcher uns nach gut 23 Kilometern Wanderung für die erste Nacht erwartet.

Der gesamte Weg auf der Karte und anhand der GPX-Daten unserer Uhr - Pauline von Unloved Countries

Der Weg führt zunächst entlang einer Straße und taucht dann schnell in den Wald von Saint-Hubert ein. Wir überprüfen regelmäßig den in die richtige Richtung weisenden Pfeil auf der Uhr. Den digitalen Daten zu folgen, mag zwar weniger abenteuerlich als eine tatsächliche Wanderkarte wirken, ist in jedem Fall aber beruhigender für uns Neulinge. Zumal es auf der Strecke keine Wasserstelle gibt. Wir sind komplett auf uns allein gestellt. Ich habe mich daher bemüht, meine Filterflasche mitzubringen. Sie erlaubt es uns, an fast jeder Wasserstelle zu trinken, da sie 99,9 % der Bakterien und Mikroorganismen filtert. Ein absolutes Muss auf diesem Weg, wie ich finde. Bevor wir unseren Zeltplatz erreichen, füllen wir unsere Wasserflaschen viele Male in den Bächen unterwegs auf.

 

Langsam, aber sicher spüre ich die Distanz in den Beinen. Tim schmerzt vor allem der Rücken. Wir machen eine kurze Pause, um das übermäßige Gewicht auf seinen Schultern neu zu justieren. Er ist Wanderungen wie diese nicht gewohnt und hat daher nicht erkannt, wie wichtig es ist, das Gewicht auf der Hüfte und nicht auf den Schultern zu tragen. Nach Anlegen des Hüftgurtes seines Rucksacks machen wir uns schnell wieder auf den Weg. Ich habe den vagen Eindruck, dass wir uns sehr langsam bewegen! Nach 6 Stunden Fußmarsch erreichen wir schließlich den Zeltplatz. Zeit wird es, denn unsere Füße fühlen sich schon stark überhitzt an.

Das Gefühl? Zwischen Freiheit und Erschöpfung

Welchen Weg nehmen wir? Foto von Pauline von Unloved Countries

Der Zeltplatz von Bois Bané ist sehr einfach. Es gibt eine Feuerstelle, eine kleine Bank und sonst nichts. Keine Wasserstelle. Zwei weitere Wanderer haben schon ihr Zelt aufgeschlagen, als wir ankommen. Wir stellen unseres in dem Gefühl auf, eine komplette Expedition gemeistert zu haben, so sehr tun uns Beine und Füße weh. Trotz Erschöpfung überkommt mich ein Gefühl der Freiheit. Gehen, trinken, essen und schlafen lässt mich an jene Zeit in der Menschheitsgeschichte denken, wo unsere einzige Perspektive es war, Essen aufzutreiben und Schutz für die Nacht zu suchen. Davon sind wir in unserem modernen Leben ja mittlerweile ganz weit entfernt.

 

Der zweite Tag erweist sich als noch sportlicher als der erste, der mir schon recht anspruchsvoll vorkam. 29 Kilometer warten auf uns, eher 30, um ehrlich zu sein... Unser Tempo ist trotz der Schmerzen in den Gliedern höher. Vier Kilometer vor dem Ziel bin ich kurz davor, aufzugeben. Dank einer Art innerem Autopilot gelingt mir jedoch auch diese Strecke, die uns wieder zum Ausgangspunkt zurückführt. Diesmal scheint die Sonne, als ob sie uns für die Vollendung der Strecke belohnen würde! Ich kann am Ende fast nicht mehr gehen, so fertig fühle ich mich. Aber ich bin froh, dass ich die gesamte Strecke abgeschlossen habe. Tim hingegen fühlt sich großartig. Seine körperliche Verfassung als Marathonläufer hat wahrscheinlich etwas damit zu tun.

Der Wald ist an manchen Stellen des Weges sehr dicht - Foto von Pauline von Unloved Countries

Die Schönheiten der uns umgebenden Naturlandschaften

Trotz der körperlichen Anstrengungen gelingt es uns, die Natur rund um uns in jeder Form zu genießen. Das weitläufige Waldgebiet von Saint-Hubert erstreckt sich über 100.000 Hektar, mit Wald- und Wiesenlandschaften die ihresgleichen suchen.

 

Mitunter marschieren wir durch dichten Wald. Und zwar so dicht, dass es manchmal am helllichten Tag dunkel wird. Dann wiederum erwarten uns sumpfige Moorlandschaften. Das Reservat von Vieille Rochette ist eines davon. Es ist die Heimat vieler geschützter Arten, wie die eines kleinen, vom Aussterben bedrohten Schmetterlings. Ein paar Kilometer weiter erstreckt sich ein Tal vor uns. Kühe grasen hier und beobachten stoisch diese beiden erschöpften Wanderer, die über ihre Wiese laufen.

 

Manchmal taucht auch ein Stück Geschichte entlang des Weges auf. Der Kreuzweg vom 22. August 1914 begrüßt uns mit französischen und deutschen Flaggen, welche die entlang der Route gesetzten Kreuze schmücken. Sie mahnen uns, den Tod Tausender Soldaten hier während des Ersten Weltkrieges zu gedenken.

Keine Spur von den mächtigen Hirschen hier

Ringelnatter - Pauline von Unloved Countries

Dieser Wald, der bekannt für die Jagd ist, lässt auf einige Begegnungen mit seinen Bewohnern hoffen. Auf dem Weg von einer Lichtung kreuzt ein Fuchs unseren Weg. Einmal hoppelt ein großer Hase in Windeseile davon, nur sein tanzendes Hinterteil sehen wir kurz. Tatsächlich treffen wir auch auf zwei Ringelnattern! Mit dieser kleinen Schlange hatte ich hier im belgischen Wald nun wirklich nicht gerechnet. Trotz der Brunftzeit haben wir leider kein Glück, einen der mächtigen Hirsche für die der Wald von Saint-Hubert ebenfalls berühmt ist zu sehen.

Natur am Wegesrand - Pauline von Unloved Countries

Gute Vorbereitung ist die halbe Wegstrecke

Diese Wanderung ist nicht überaus anspruchsvoll, da die gesamte Strecke eher flach ist. Wenngleich Ihr die Entfernungen nicht unterschätzen dürft, vor allem nicht mit einem ordentlichen Wanderrucksack auf dem Rücken. Am ersten Tag müsst Ihr mindestens 24 Kilometer rechnen, um den Zeltplatz zu erreichen, am zweiten Tag sind es dann etwa 27 Kilometer. Sie haben sich für uns auf 30 gedehnt, weil wir mehrmals unseren Weg gesucht haben und vielleicht auch eine sogenannte lange Abkürzung genommen haben! Es ist wichtig zu wissen, dass es in Belgien verboten ist, außerhalb der dafür vorgesehenen Gebiete zu zelten.

Wegweiser, die nicht immer auf Anhieb sichtbar sind

Achtet auf bequemes Schuhwerk, in dem Ihr problemlos größere Distanzen zurücklegen könnt. Es müssen nicht unbedingt Wanderschuhe sein, vor allem wenn Ihr diese nicht gewohnt seid. Meine haben ganz schön gedrückt und mich zudem zwei Mal stürzen lassen, weil sich meine Schnürsenkel verheddert hatten!

 

Denkt auch daran, eine Filterflasche für das Trinkwasser unterwegs mitzubringen. Dies ist auch wichtig, wenn Ihr mit dem Wasser etwas kochen wollt. Wenn Ihr die GPX-Daten von Julien nutzt, dann Vorsicht, denn er ist den Weg in die andere Richtung gegangen. Auch die Wegweiser sind für die entgegengesetzte Richtung ausgelegt, und nicht immer so leicht zu erkennen. Zu guter Letzt gilt es, die Wettervorhersage zu beachten und entsprechende Kleidung mitzunehmen. Nichts dämpft den Elan mehr, als feuchte Kleidung am Körper!

 

Wenn Ihr bereits Erfahrungen mit Wanderungen wie diesen gesammelt habt, so mögen Euch diese Ratschläge überflüssig erscheinen. Dem einen oder der anderen unter Euch ist damit jedoch vielleicht geholfen. Vorsicht ist eben besser als Nachsicht!

Ich möchte auch so etwas erleben!

2/3 des Weitwanderweges zwischen der Lesse und der Lhomme :

Schreibt Julien vom Blog "Sentiers du Phoenix" eine Nachricht, um die GPX-Daten für die Strecke zu erhalten
www.sentiersduphoenix.be

 

Hier findet Ihr Informationen zur gesamten Wegstrecke über 78 Kilometer:

www.lagrandeforetdesainthubert.be
(klickt auf "Promenade à la carte" unten rechts, um zu einer Übersicht aller gelisteten Wanderwege zu kommen)