„Das Tchar Scaille“, ein Ritt zwischen den Welten

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Nicolas Koussa

Mitglied seit 2 Jahre 10 Monate

Eine spirituelle, schamanische, kulinarische Reise

 

„Das Tchar Scaille“

Ein Ritt zwischen den Welten

6 Min. Auszeit

Ich hätte nicht gedacht, dass die Lichtungen von Monthermé mich so träumen lassen. Eine spirituelle, schamanische, kulinarische Traumreise.

 

Alles beginnt auf einem Umweg, auf dem ich, kurz vor dem Verlassen des Waldes, mit meinen Wanderbegleitern auf ein merkwürdiges Gebilde stoße. Große, aufgetürmte Steine thronen auf dem Hügel. Wir fragen uns natürlich, was das ist. „Ein megalithischer Hinkelstein!“, meint Renaud, „vielleicht ein Grabstein“, fügt Cynthia hinzu. Ich gehe zu den Metallfässern, die sonderbarer Weise um diese mysteriöse Konstruktion abgestellt wurden. Kleine Holzscheiben können als Schläger verwendet werden. Ich versuche einen Rhythmus zu schlagen, aber der Regen, der schon die meiste Zeit fällt, ist viel künstlerischer als ich, wenn er auf der Fassoberfläche aufschlägt.

Das Werk eines Menschen

Dieses musikalische Zwischenspiel wird von einem Mann unterbrochen. Die Antwort auf unsere Fragen nähert sich. Philippes Aussehen stimmt Perfekt mit diesem Ort überein: ein geflochtener Bart und eine lange graue Haarmähne. Er erklärt, dass er diese Felsen selbst errichtet hat und so das „Tchar Scaille“ geschaffen hat. „Der Schieferwagen“ (auf wallonisch) zeigt eine Kutsche, die von zwei Pferden gezogen wird. „Zur Sommersonnenwende geht die Sonne direkt zwischen den zwei Felsen auf“, erklärt uns der Herr des Gebiets. Ich begreife, dass mit Philippe nichts dem Zufall überlassen wird.

 

Ein lebendiger Ort

Im Gegenzug zur äußerlichen Immobilität der Struktur, möchte Philippe, dass sie dynamisch bleibt. Er ist für alles offen: Wurfspieß werfen, Bogenschießen, Jamsessions… Das „Tchar Scaille“ ist ein lebendiger Ort! Sichtbares Ziel dieses Baus: eine praktizierte Kultur verteidigen. „In der Wallonischen Region und in den Ardennen gibt es ein zweifellos starkes Identitätsgefühl.“, erklärt uns Philippe. Aber was für eine Identität? „In der Wallonischen Region der Ardennen waren Kelten und Germanen immer vereint und bringen eine starke Kultur hervor. Daher fühlen sich die belgischen, französischen, luxemburgischen und deutschen Ardenner trotz der geokulturellen Gemeinsamkeiten oft fremd gegenüber den anderen. Sie verbindet trotz allem eine Vielzahl an starken Kulturzügen wie Legenden, Musik, Traditionen oder die christlichen Versionen eines heidnischen Ritus.

Eine spirituelle, schamanische, kulinarische Reise

Für echte Gefühle braucht es ehrliche Handlungen

Hier fühle ich mich nicht wie in einem Museum. Ich diskutiere und lerne von einem lebendigen und erzählenden Fan. „Für echte Gefühle braucht es ehrliche Handlungen.“, sagt Philippe. Wir entfernen uns Schritt für Schritt von dieser steinigen Kutsche und gehen hinab zu einer Hütte. Von außen sieht sie aus wie eines der Häuser in den Ardennen, aber nachdem man an dem Hirschgeweih gezogen hat, die der Glastüre als Türgriff dienen, betreten wir eine komplett andere Welt. Merkwürdige Skelette, halb Mensch, halb Wild, sind wie mit den Innenwänden verwachsen. Philippe gibt keine Erklärung dazu ab und lässt unserer Fantasie freien Lauf. Ich stelle mir vor, dass diese Skelette in ihrem rituellen und mystischen Tanz von der Erde festgehalten wurden, ein bisschen wie in Pompeji, wo die Menschen zu Steinstatuen wurden.

 

Philippe erklärt uns, dass die Hütte ein Restaurant ist, in dem jedes Wochenende ein einzigartiges Menü serviert wird. Er lädt uns an einen der großen Holztische ein.

Das Tchar Scaille

Ich bewundere weiterhin die Dekoration der Hütte. Philippe ist neben seiner Leidenschaft für Geschichte auch ein wahrer Künstler. Von allen Restaurants, in denen ich bisher wahr, habe ich nichts Vergleichbares gesehen. Hier spüre ich eine richtige Reflexion und jedes Detail ist durchdacht und auf einander abgestimmt. Somit entsteht eine so perfekte Balance, dass es unmöglich ist, den Stil zu bestimmen. Modern oder rustikal? Das lasse ich Euch entscheiden. Nachdem wir uns für eine Tischecke entschieden haben, gehen wir für den Aperitif zurück zur Schiefertheke. Ein Hypocras geht herum, ein mittelalterliches Weingetränk aus Honig und Gewürzen. Unser Gespräch läuft weiter und Philippe bringt uns viel über die regionale Geschichte bei. Eine richtige Zeitreise!

Zwischen den Welten

Zeit fürs Essen

Ich erfahre bald, dass die Küche wie dieser Ort ist: unbeschreiblich. Als Vorspeise wird uns eine Reihe an kleinen Tapas mit Brot serviert. Eine Palette aus Rotkohl, in Hypocras und Zimt gekochten Rosinen, ein Spaghettikürbis mit Pflaumen und Speck und die Kichererbsen mit Ingwer harmonieren perfekt miteinander. Als Hauptspeise wird der traditionelle Krustenschinken von Risotto mit grünem Weizen, weichen Kartoffeln mit Sellerie und Kroketten aus grünen Bohnen begleitet. Beim Nachtisch werden wir von einem Basilikumsorbet, einer Polenta mit einer Chicoree-Karamelsauce und einem Mandelnougat mit Schokolade überrascht. Ihr habts verstanden, eine Küche, in der Zutaten aus aller Welt in die Tiefen der Ardennen gelangen. Das „Tchar Scaille“ ist eine absolute Reise, von der nur Philippe das Geheimnis kennt und die sich in seinem Satz zusammenfassen lässt: „Ich pendle zwischen den Welten“, und man reist freiwillig mit ihm.

Erlebt es selbst
"Tchar Scaille"
Les Six Chenons, 08800 Thilay, Frankreich
+33 (0)6778 22748